Interview: Michael „Bully“ Herbig über die Kino-Politsatire „Zettl“

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Michael "Bully" Herbig

Nach seinem Auftritt in Leander Haußmanns „Hotel Lux“ spielt Michael „Bully“ Herbig in Helmut Dietls Politsatire „Zettl“ die Titelfigur. Er ist ein Chauffeur, der sich im Berliner Politsumpf bestens auskennt, zum Chefredakteur eines Online-Magazins aufsteigt und im korrupten Establishment mitmischt.

Wir sprachen mit dem 43-Jährigen über den Nachfolger der Erfolgsserie „Kir Royal“, der diesen Donnerstag in die Kinos kommt.

Herr Herbig, in „Zettl“ geht es um die Bestechlichkeit der deutschen Politik. Wird der Film mit der Affäre Wulff nicht gerade von der Wirklichkeit überholt?

Michael Bully Herbig: Ehrlich gesagt finde ich „Zettl“ sehr viel interessanter. Hätte mir jemand ein Drehbuch zur Affäre Wulff auf den Tisch gelegt, hätte ich gesagt: „Was willst du mit dem langweiligen Kram? Da musst du dir was Besseres ausdenken.“ Dass so eine Posse sechs Wochen lang TV-Sendungen und Zeitungen füllen kann, ist der reinste Wahnsinn.

Wie erklären Sie sich das?

Herbig: Ich glaube, dass es diese Dinge, die jetzt mit der Affäre Wulff oder Guttenberg ans Licht kommen, schon immer gegeben hat - nur hat es keiner mitbekommen. Ich möchte nicht wissen, was über Franz Josef Strauß noch alles herausgekommen wäre, wenn es damals schon das Internet gegeben hätte.

Was schätzen Sie an Helmut Dietl als Regisseur?

Herbig: Ich mag seine alten Sachen: „Kir Royal“, „Monaco Franze“ und vor allem „Schtonk“. Es gibt wenige deutsche Filmemacher von seinem Kaliber.

Wie unterscheidet sich der Dietl-Humor vom Bully-Humor?

Herbig: Humor kann man schwer definieren. Ich finde es erstaunlich, dass in Deutschland so große Unterschiede zwischen Satire, Kabarett und Comedy gemacht werden. Solche Unterscheidungen gibt es in Amerika nicht. Wenn etwas lustig ist, ist es eine Komödie. Entweder man lacht oder man lacht nicht.

Ist Zettl ein Mann ohne moralische Eigenschaften?

Herbig: Dietl wollte diese neue Generation der Unmoral porträtieren. Baby Schimmerlos, die Hauptfigur von „Kir Royal“, war auch vollkommen unmoralisch, aber er war sich dessen bewusst. Zettl hingegen ist unmoralisch und merkt es nicht einmal. In Dietls Augen repräsentiert diese Figur die Art, wie die Menschen heute miteinander umgehen.

Kann man im Filmgeschäft anständig bleiben?

Herbig: Man kann und man muss es auch. Ich weiß nicht, warum viele Leute es nicht tun, aber das ist wohl auch eine Frage der Erziehung. Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie mir nicht gut tun, gehe ich aus dem Weg. Ich werde schon misstrauisch, wenn mir Leute Geschenke machen, die ich nicht kenne.

Sie sind der erfolgreichste deutsche Filmemacher. Mit dem Erfolg kommt auch Macht. Wie gehen Sie damit um?

Herbig: Es ist mir egal. Ich bin nicht auf die Welt gekommen und wollte mächtig sein. Ich wollte einfach nur das machen, was mir Spaß macht - und das sind Filme. Produzent bin ich geworden, weil ich für meine Projekte keine Produzenten gefunden habe.

Sind Sie eigentlich ein politischer Mensch?

Herbig: Ich halte mich mit politischen Aussagen lieber zurück. Unterhalter haben in der Politik genauso wenig verloren wie Politiker in der Unterhaltung.

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