Interview: Die norwegische Popsängerin Marit Larsen über ihr Album „Spark“

Die Norwegerin Marit Larsen gilt als Gegenentwurf zu all den aufgemotzten Popmädchen unserer Zeit. Den Gagas, Rihannas und Katy Perrys setzt die 28-Jährige, die mit ihrer Single „If A Song Could Get Me You“ hierzulande auf Platz eins der Charts stand und erfolgreich im Kasseler Kulturzelt auftrat, etwas entgegen.

Und das sind wohlüberlegte, in sich ruhende Lieder sowie ein zurückhaltendes, freundliches Wesen gegenüber. Gerade veröffentlichte sie ihr neues Album „Spark“.

Marit, Ihr Album heißt „Spark“, also „Funken“. Was hat Ihre Kreativität entflammt?

Marit Larsen: Mein Leben.

Sonst nichts?

Larsen: Reicht das etwa nicht? Darüber hinaus inspiriert mich auch das Leben von Freunden. Ich bediene mich gern bei ihnen, denn nicht alles, worüber ich schreibe, kann ich selbst erleben.

Wann ist ein Lied für Ihren Geschmack gelungen?

Larsen: Ich muss die Energie einer Geschichte spüren und davon überzeugt sein, dass sie so noch nie erzählt worden ist. Wir Songschreiber wollen ja immer gern glauben, dass das, was wir verfassen, großartig, originell und garantiert noch nie da gewesen ist. Wenn wir uns verlieben und darüber schreiben, dann denken wir, das ist noch nie jemand anderem passiert. Was natürlich zugleich total wahr und total Quatsch ist.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Songschreiben und Verlieben?

Larsen: Für mich schon. Wenn ich die Idee zu einem neuen Song habe, dann denke ich an nichts anderes. Auch wenn ich verliebt bin, wird mein Kopf vollkommen von meinen Gefühlen gekapert.

Ist Ihre Single „Coming Home“ auch ein Liebeslied?

Larsen: Klar. Das Stück handelt davon, genau den Mann zu treffen, der deine Heimat, dein Anker, dein Sehnsuchtsort wird.

Romantisch.

Larsen: Oh ja. Furchtbar romantisch. So bin ich. Ich finde es mutig von mir, so einen stillen Song über die ersten Momente des Verliebens zu machen, halt darüber, wie man sich fühlt, wenn man jemanden in sein Herz lässt.

Glauben Sie an die Liebe?

Larsen: Selbstverständlich. Gerade „Coming Home“ hat eine sehr optimistische Sicht auf die Liebe. Ich finde, die Welt braucht mehr gute, positive Liebeslieder. Die meisten Songs da draußen sind so schnell, so überdreht, es wird eher aus vollen Lungen geschrien und gebrüllt. Kaum jemand macht noch Musik, die dezent ist. Außer Adele natürlich.

In „Me and the Highway“ klingen Sie fast wie ein amerikanisches Countrymädchen.

Larsen: Diese Einsprengsel sind auf dem ganzen Album zu finden, aber in dem Stück sind sie besonders präsent. Ich mag den Gedanken, das mein Album der Soundtrack zu einem Roadtrip durch die Wüste oder durch anderes einsames Gelände ist. Mein Ziel war, eine moderne Version eines Fleetwood-Mac-Albums aufzunehmen.

„If A Song Could Get Me You“ war vor zwei Jahren allgegenwärtig. Wie hat der Hit Ihr Leben verändert?

Larsen: Der Song ist ebenfalls ein Soundtrack geworden. Für alle möglichen Lebenslagen, vor allem aber natürlich für Verliebte. Das ist doch eine schöne Sache. Andererseits ist mir der große Erfolg auch ein Rätsel geblieben. Ich schreibe seit 15 Jahren Songs. Warum manche Hits werden und andere nicht, kann ich nicht beantworten.

Marit Larsen: „Spark“ (Col S/ Sony),

Hintergrund Marit Larsen

Marit Larsen (28, ledig aus Oslo) hat Klavier und Violine gespielt, bevor sie lesen konnte, mit 13 fing sie an, eigene Lieder zu schreiben. Ihr Vater spielt Cello im Philharmonischen Orchester in Oslo, ihre Mutter ist Musiklehrerin. Nach ihrem letzten Album war sie 23 Monate lang auf Tournee. Um wieder zur Ruhe zu kommen und neue Projekte anzugehen, zog sie sich nach New York zurück. Sie hat sich vorübergehend eine kleine Wohnung im Szenestadtteil Soho gemietet. Musikalische Anfänge erlebte sie als Mitglied des Pop-Duos M2M mit ihrer Freundin Marion Raven. 2006 gab es den ersten MTV Music Award als beste norwegische Künstlerin. Derzeit lebt sie wieder in Oslo. 

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