"Drama des Alltags"

Interview: Uwe Ochsenknecht über Familienleben und Scheidung

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Will dem Liebhaber seiner Frau eine verpassen: Dieter (Uwe Ochsenknecht, links) und Lars (Claes Bang) prügeln sich in „Überleben an der Scheidungsfront“ in Clownskostümen durch einen Kindergeburtstag.

Uwe Ochsenknecht weiß, wie man Familie und Alltag unter einen Hut bekommt. In einer ZDF-Komödie spielt er nun einen überforderten Vater, dessen Ehe scheitert. Wir sprachen mit ihm über Scheidungsgründe.

Als Vater von drei kleinen Kindern hat es der Journalist Dieter Lindemann (Uwe Ochsenknecht) in der Komödie „Überleben an der Scheidungsfront“ von Titus Selge nicht leicht. Hin- und hergerissen zwischen Job, Kindererziehung und Haushalt kommt die Beziehung zu Ehefrau Esther (Valerie Niehaus) zu kurz. Ein Scheitern der Ehe bahnt sich an, doch Dieter will nicht tatenlos zusehen. Lustig-chaotisch kämpft er um die Liebe.

Was hat Sie an der Figur des Dieter Lindemann gereizt? 

Uwe Ochsenknecht: Da ich seine Probleme kenne, habe ich mich gut in Dieter hineinversetzen können. Im Film sieht man, dass der Kinderwunsch, um eine liebevolle Beziehung vollkommen zu machen, das eine ist und der Alltag dann das andere. In Berlin, wo ich wohne, sehe ich oft gestresste Mütter und Väter, die mit zwei, drei Kindern durch die Straßen laufen und völlig überfordert sind. Diese Thematik, die viele Menschen betrifft, wird im Film aufgegriffen. Es ist zwar eine Komödie, sie enthält aber auch, was zu einer guten Komödie gehört: ein bisschen Drama. Das Drama des Alltags.

Können Kinder zu einem Beziehungskiller werden? 

Ochsenknecht: Das Risiko besteht absolut. Ich bewundere Ehepartner, die trotz der neuen Situation mit Kindern auch auf Dauer eine glückliche Beziehung führen können. Das ist nicht selbstverständlich. Aber es ist auf jeden Fall möglich. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Gut, bei mir ist es auch irgendwann zur Scheidung gekommen, aber das lag nicht an meinen Kindern. Im Film geht es ja vor allem um die ersten Jahre als Familie. Da gilt es, das große Kunststück zu bewältigen, die Kinderchen und die Beziehung in Einklang zu bringen.

Obwohl sich seine Frau in einen anderen verliebt hat, will Dieter um die Beziehung kämpfen. Lohnt sich das? 

Ochsenknecht: An diesen Prüfungen zeigt sich, was wirklich an einer Beziehung dran ist. Eine zweite Chance sollte jeder bekommen. Natürlich ist das Grundvertrauen erschüttert. Dann kann zum Beispiel eine Paartherapie helfen. Aber nur, wenn das Ding noch nicht ganz an die Wand gefahren ist und die Partner noch Gefühle füreinander haben und das beide wollen.

Ist es angemessen, das Scheitern einer Beziehung als Komödie darzustellen? 

Ochsenknecht: Ich finde es nie verkehrt, ein Thema vom komödiantischen Blickwinkel aus zu beleuchten. Bei ernsten Themen bringt das Leichtigkeit rein. Und ein bisschen Hoffnung, weil gezeigt wird, dass andere auch nur mit Wasser kochen.

Hat sich seit Ihrem Erfolg mit der Komödie „Männer“ (1985) das Genre gewandelt? 

Ochsenknecht: Nein, das glaube ich nicht. Ich höre oft, dass Heiner Lauterbach und ich mit „Männer“ die deutsche Komödie gestartet haben, die „Romantic Comedy“. Seitdem hat das Genre im deutschen Kino immer noch einen großen Stellenwert und ist nach wie vor erfolgreich. Ich würde mir nur wünschen, dass auch andere Genres wie Krimis oder Science-Fiction im deutschen Kino erfolgreicher wären.

Wie könnte die Fortsetzung von „Überleben an der Scheidungsfront“ aussehen? 

Ochsenknecht: Logischerweise das Überleben an der Pubertätsfront. Damit habe ich auch Erfahrungen gemacht. Ich kenne Kinder, die in der Pubertät völlig ausflippen und heftige Streits mit ihren Eltern anfangen. Das hat bei uns Gott sei Dank nicht stattgefunden.

Zur Person

Uwe Ochsenknecht (59) ist im hessischen Biblis geboren. Bekannt wurde er unter anderem durch Wolfgang Petersens „Das Boot“ (1981) und die Komödie „Männer“ (1985). Im Herbst wird er in dem Film „Udo Honig“ zu sehen sein, in Anlehnung an den Fall Uli Hoeneß. Bis 2012 war Ochsenknecht mit Natascha Ochsenknecht verheiratet, mit der er die Kinder Wilson Gonzalez, Jimi Blue und Cheyenne Savannah hat. Sohn Rocco Stark entstammt einer früheren Beziehung. Derzeit lebt Ochsenknecht in Berlin.

Die Familienkomödie "Überleben an der Scheidungsfront" läuft am Mittwoch, 22. April, ab 20.15 Uhr im ZDF.

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