Seine Fans quietschen vor Vergnügen

Interview: Max Raabe über sein neues Album

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Max Raabes neues Album.

"Für Frauen ist das kein Problem“ heißt das neue, heiter-augenzwinkernd-melancholische Album, das Max Raabe erneut gemeinsam mit Annette Humpe gemacht hat. Freitag, 11. Januar, erscheint es.

Wie bekommen Sie den Spagat zwischen Hochkultur und Popmusik so locker hin?

Max Raabe: Na, Sie sind leicht zu beeindrucken. Nur, weil man in einem feinen Haus spielt und sich einen Frack anzieht, macht man noch keine Hochkultur. Mit unserem Repertoire kultivieren wir gehobenen Blödsinn. Wenn wir auf der Bühne einem Stoffhuhn mit der Pfanne auf den Kopf hauen oder zwei Trompeten in die Badewanne stecken, ist das einfach unterhaltsam. Kinder und Menschen mit kindlichem Gemüt quietschen vor Vergnügen.

Sie sind jetzt 50. Wie verträgt sich dieses Alter mit dem Kind im Raabe?

Raabe: Mich lässt das kalt. Ich fühle mich besser denn je. Mich stört lediglich der Zusatz: Max Raabe Klammer auf fünfzig Klammer zu. Wenn ich nicht darauf angesprochen würde, wäre mir dieser Tag nicht aufgefallen. Aber ich weiß noch, als mein Vater 50 wurde, und alle vorbeikamen: Die Feuerwehrkapelle, der Schützenverein. Meine Mutter trug Schnapsgläschen auf dem Tablett herum, und ich war mir sicher, dass kein Mensch auf der Welt so alt werden kann. Jetzt bin ich selbst so alt.

Sie singen über Frauen: „Für alles haben sie eine Creme und sehen immer gut aus.“ Was tun Sie für die Schönheit?

Raabe: Ich habe ein sehr überschaubares Beautyprogramm: Kernseife und Niveacreme. Ich habe meinen Frieden mit meinem Aussehen gemacht. Gottseidank bin ich beruflich eher auf den Abend ausgerichtet, da ich mich erst im Laufe des Tages im wahrsten Sinne des Wortes entfalte.

„Für Frauen ist das kein Problem“ ist so ein Schlagwort-Satz wie „Küssen kann man nicht alleine“. Wie kommen Annette Humpe und Sie auf so etwas?

Raabe: Manchmal verlieben wir uns in einen Satz. Wir möchten schöne Geschichten erzählen, und zwar mit Sätzen, die wasserdicht sind. Die Aussagen müssen stimmen, die Wortbilder dürfen nicht schief sein. Wir entwickeln da keinen Liederzyklus, sondern nehmen Polaroids auf.

Der poppige Max Raabe kam sehr gut beim Publikum an.

Raabe: Das war nie als Neuerfindung gedacht, sondern als Entwicklung. Nicht nur, weil ich parallel das Originalrepertoire weitersinge. Sondern, weil ich das, was ich an der Haltung in den Liedern der 20er- und frühen 30er-Jahre schätze, in meinen Stücken wiederfinde: Die kleinen Geschichten, den Humor, den schrägen Blick auf die Welt, Brüche, Doppeldeutigkeiten.

Man kann und soll Ihre Songs keinem Geschlecht zuordnen. Singen Sie Unisex-Lieder?

Raabe: Den Begriff „unisex“ mag ich nicht, das klingt so nach David Beckham. Aber ich müsste schwer überlegen, welcher Song nicht von einer Frau gesungen werden könnte. „Für Frauen ist das kein Problem“ schreit nach einer Interpretin. Das Lied ist eine Ode darauf, was Frauen alles drauf haben.

Sie singen „will man es genau, dann fragt man eine Frau“.

Raabe: Ist doch eine schöne Aussage. Und es reimt sich. Man darf sich den Satz ruhig auf der Zunge zergehen lassen.

Sind Sie ein Mann, der die Frauen versteht?

Raabe: Nein, ich gehöre zu den Männern, die bei Frauen nur Rätsel suchen und finden. Bei seelischen Verwicklungen fällt es mir aber leichter, mich mit weiblichen Freunden auszutauschen. Mit Männern muss man immer was trinken gehen, alles wird nach der Devise „Ist doch halb so schlimm“ abgehandelt. Bei Freundinnen sind Ratschläge dezidierter.

Auf dem Cover stehen Sie im Wasser, eine Ente schwimmt vorbei. Ist das echt?

Raabe: Wenn schon, denn schon. Ich bin wirklich der einzige vom Orchester, der keinen Neoprenanzug unter seinem Anzug anhat. Ich fand es herrlich gaga, im Smoking im Wasser zu stehen.

Max Raabe: Für Frauen ist das kein Problem (We Love Music/Universal)

Zur Person

Nach 25 Jahren im Geschäft feierte Max Raabe, Bariton, Gründer und Leiter des Palast Orchesters, vor zwei Jahren so eine Art zweiten Durchbruch. Für das Album „Küssen kann man nicht alleine“, das er zusammen mit Annette Humpe (Ich + Ich) komponierte und textete, bekam Raabe Platin, er trat bei „Wetten, dass ..?“ auf. Raabe, am 12. Dezember 1962 in Lünen geboren, absolvierte an der Hochschule der Künste in Berlin ein Gesangsstudium. Er tourt auch in Nordamerika, Israel, Russland und Skandinavien.

Von Steffen Rüth

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