Donnerstag - ARD, 20.15 Uhr

Interview: Regisseur Wolfgang F. Henschel über „Pfarrer Braun“ in Kassel

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Auf Verbrecherjagd: Der kauzige Totengräber Bockelmann (Uwe Rohde, links) erklärt Pfarrer Braun (Ottfried Fischer), wer mit wem verfeindet ist.

Für die 19. Folge der beliebten Krimi-Serie „Pfarrer Braun: Grimms Mördchen“ drehte Regisseur Wolfgang F. Henschel mit Hauptdarsteller Ottfried Fischer an mehreren Schauplätzen in Kassel.

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Das Erste zeigt Donnerstag die Krimikomödie, in der Pfarrer Braun in Kassel den Tod von Pfarrer Hummel, einem Freund von Monsignore Mühlich (Gilbert von Sohlern), aufklären soll. Wolfgang F. Henschel sprach mit unserer Zeitung über Ottfried Fischer und warum sich Kassel als Märchenkulisse sehr gut eignet.

Die Dreharbeiten in Kassel liegen nun schon mehr als ein Jahr zurück. Was ist Ihnen in Erinnerungen geblieben?

Wolfgang F. Henschel: Ich wusste vorher nicht viel von Nordhessen. Die Stadt Kassel hat mich aber überrascht. Es gibt so viele unterschiedliche Motive. Die Löwenburg und der Herkules, Wald und Berge und das hübsche Fachwerk im Umland. Tolle Bedingungen, um einen Film über Märchen zu drehen.

In der Pfarrer-Braun-Folge „Grimms Mördchen“ geht es um Morde an Menschen, die in den 70er-Jahren in einem Theaterstück die Zwerge im Märchen Schneewittchen gespielt haben.

Henschel: Und das konnten wir nur in Kassel drehen. Märchen sind übrigens eine hervorragende Grundlage für Krimis. Sie sind ja meistens alles andere als harmlos, sondern oft sehr grausam. Aber immer mit versteckter Moral.

Lustige Kirchen-Komödien scheinen der Renner zu sein. Serien wie „Pfarrer Braun“ und „Um Himmels Willen“ (ebenfalls ARD) erreichen traumhafte Quoten.

Henschel: Da gibt es einiges, auch bei den anderen Sendern. Bei RTL läuft jetzt die Serie „Lasko - Die Faust Gottes“. Von Trend zu sprechen, wäre allerdings übertrieben. Im Moment finden die Leute Krimikomödien auf dem Land mit Pfarrern und Nonnen unterhaltsam. Um Kirche oder Religion geht es dabei eigentlich nur am Rande.

Bulle von Tölz und Pfarrer Braun: Ottfried Fischer spielt immer den gemütlichen, trägen, unterschwellig lustigen Bayern, oder?

Henschel: Fischer fällt überwiegend durch seine Quotenrenner auf. Er ist aber auch Kabarettist und Satiriker. Die Vielseitigkeit Fischers erkennt man, wenn man auch sein Soloprogramm, seine monatliche BR-Sendung „Ottis Schlachthof“ und seine Kabarettauftritte sieht.

Dennoch: Im Fernsehen spielt er oft den dümmlich wirkenden Ermittler.

Henschel: Den netten, scheinbar harmlosen Dicken spielt er so überzeugend, dass die meisten überrascht sind, wenn sie ihn als Privatperson in politischen Diskussionen oder Talkrunden erleben. Der Bulle von Tölz und Pfarrer Braun erinnern ein bisschen an Colombo. Ermittler, die nicht so aussehen und denen man nichts zutraut. Die Zuschauer mögen solche Figuren.

Ist das der Grund für den Erfolg?

Henschel: Die Serie ist menschlich, amüsant und eine wilde Mischung aus dem barocken-bajuwarischen Ottfried Fischer, dem trockenen Norddeutschen Peter Heinrich Brix und dem jungen Antonio Wannek. Das Ensemble passt einfach zusammen.

War „Grimms Mördchen“ ein einmaliges Gastspiel in Kassel?

Henschel: Wir arbeiten immer an einem anderen Ort. Wir waren schon auf Usedom, im Harz, im Saarland und im Elbsandsteingebirge. Die Serie ist eine Reise durch Deutschland. Besonders Stammseher freuen sich darüber, wenn in ihrer Region gedreht wird.

Zur Person

Wolfgang F. Henschel (67) ist Regisseur und drehte seit Anfang der 70er-Jahre mehr als 200 Filme für das öffentlich-rechtliche und das private Fernsehen. Darunter mehrere Folgen von „Der Bulle von Tölz“ (Sat1), „SK Babies“ (RTL) und „Ein Fall für zwei“ (ZDF). Über die Drehbuchentwicklung in der Firma Bertelsmann Filmproduktion kam Henschel zur Regie. Nach einigen Projekten stieg er als eigenständiger Regisseur ins Filmgeschäft ein. Henschel wuchs in Baden auf und lebt heute in München. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. (wag)

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