Demnächst beim Open Flair in Eschwege:

Smudo von den Fantastischen Vier im HNA-Interview

Smudo (43) heißt eigentlich Michael Bernd Schmidt. Geboren wurde er am 6. März 1968 in Offenbach. Ein Jahr nach dem Abitur 1988 gründete er in Stuttgart die HipHop-Band Die Fantastischen Vier. Der Durchbruch gelang den mittlerweile mehrfach preisgekrönten Musikern 1992 mit dem Hit „Die da“. Er ist musikalisch auch solistisch unterwegs. Wichtige Alben der Fanta Vier: „Jetzt geht’s ab“, „4 gwinnt“, „Die vierte Dimension“, „Lauschgift“, „Für dich immer noch Fanta Sie“. Smudo lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Hamburg.

Eschwege. Die Karriere der Band Die Fantastischen Vier ist eine Erfolgsgeschichte ohne künstlerische Stagnation. Gestartet 1989 als Rap-Combo reißt das Ensemble Genregrenzen ein und setzt neue musikalische Standards. Am 12. August wird das Quartett beim Open-Flair Festival in Eschwege auftreten

Die Fantastischen Vier schaffen es immer wieder, in musikalischer und textlicher Hinsicht noch eine Schippe draufzulegen. Sind Sie von Ihren Fähigkeiten und der Studiotechnik her momentan in der Lage, selbst die verrücktesten Ideen sofort in Töne umzusetzen?

Smudo: Ja, der Unterschied in der Produktionstechnik damals und heute ist auf jeden Fall der, dass du heute überall produzieren kannst. Ein kleines Studio, eine Aufnahmemöglichkeit, und schon kann man eine Aufnahme machen. Und wenn mir was einfällt, kann ich mich in mein Büro setzen und da schnell etwas aufnehmen. Früher musste man fett ins Studio fahren.

Beliefern auch andere Sie noch mit Ideen?

Viele Musiker, DJs und Produzenten beliefern uns mit Beats. Das geht auch online. Jeder bekommt die Skizzen auf den Rechner oder kann sich die am Telefon anhören. Und wenn du eine Idee hast, kannst du die dank Netzwerken, Cloud-Computing oder sonstiger Technologien gleich bearbeiten oder aufschreiben. Eine Idee hat ja die dumme Eigenschaft, dass sie zuweilen kommt, und du weißt nicht, wann. Und da kannst du natürlich heute gleich aufnehmen. Das ist ganz anders als damals.

Sie müssen aber auch noch kreativ sein und die guten Ideen haben?

Genau. Die Ideen haben müssen wir schon selbst.

Es scheint, dass Sie bestimmte Niederungen der Rapmusik wie monotone Grundbeats einfach hinter sich gelassen haben. Ihre Musik ist voller Einsprengsel und Ornamente. Ist das eine Ebene, vor der andere Rapper und Musiker einfach zurückschrecken?

Open-Flair in Eschwege:

Ausverkauft ist das Open-Flair-Festival in Eschwege, das vom 11. bis 14. August stattfindet. Die Fantastischen Vier sind neben Rise Against , Bullet for my Valentine, Dropkick Murphys, Pendulum, Good Charlotte und H-Blockx die Stars. Insgesamt 90 Künstler werden auf sechs Bühnen stehen. Mehr Infos unter www.open-flair.de

Am Anfang war es für uns überhaupt erst einmal toll, Musik zu machen. Da eifert man seinen Vorbildern nach. Dann begannen wir, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen, und dann kriegen die immer mehr Raum. Damit kommt auch das Selbstbewusstsein zum Experimentieren. Die meisten machen das, was sie können und bleiben dabei. Und bei uns war das immer ein Merkmal, dass wir immer gern mit anderen Sachen experimentieren wollten.

Das geht soweit, dass Sie auch einmal einen Opernsänger als Backgroundsänger einsetzen - in dem Stück „Danke“.

Das ist der Sohn von Tony Marshall. Es ist aber nicht so, dass wir ihn nur wegen seines berühmten Vaters genommen haben. Also als Künstler sind wir immer gerne dabei, Grenzen auszuloten und neue Terrains aufzumachen. Mit der Zeit haben wir gelernt, was man machen kann, zum Beispiel bei Videoclips. Die ersten Filme waren schrecklich. Aber das ist normal. Man fängt ja auch einmal als Fahranfänger an. Dann fährt man erst einmal Opas Karre und guckt, wie das geht.

Wie ist bei Ihrer aktuellen Scheibe das Mischungsverhältnis beim Songschreiben? Ist das ein paritätisches Verhältnis oder schlagen Sie sich um irgendwelche Textbeiträge?

In den 90er-Jahren war es so, dass man viel aus der Musikhistorie gesamplet hat. Es war ein Qualitätskriterium: Wer hat das krasseste Sample gefunden ? Michi Beck und ich waren diejenigen, die musikalisch etwas gebracht haben. Daraus wurde gebastelt. Heute ist das nicht mehr so. Die Welt ist leergesamplet.

Wo holen sich Die Fantastischen Vier ihre Inspiration?

Ganz oft sind wir im Bregenzer Wald, im österreichischen Vorarlberg. Da haben wir eine kleine Hütte, wo man nackig im LSD-Rausch durch den Wald hüpfen kann, ohne dass einer die Polizei ruft. Da sitzen wir dann, ganz alleine, schauen in die Natur, spielen uns Sachen vor. Und das ist meistens, weil wir in vier verschiedenen Orten wohnen, ein Happening zum Wiederzusammenkommen, wieder Kumpels sein, eine Band sein, ein Jungens-Klub. Und diese Mischung aus Jungens-Begeisterung, wie so ein kleines Kind: „Hier habe ich eine Idee!“, und Rauchen und Trinken, das ist immer so ein bisschen die Ur-Masse, aus der eine Platte hervorgeht.

Von André de Vos

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