Sängerin Addys Mercedes über ihre Heimat Kuba und tanzende Deutsche

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Addys Mercedes

Als wir Addys Mercedes am Telefon erreichen, schwitzt sie in der Frühlingssonne auf ihrem Essener Balkon. „Es ist ganz schön heiß hier.

Das bin ich nicht mehr gewohnt“, sagt die kubanische Sängerin, die seit 1993 in Deutschland lebt und nicht nur von ihrem Temperaturgefühl hier längst heimisch geworden ist. im Deutschen Theater Göttingen und am 4. Juli beim Vellmarer Festival Sommer im Park vor.

Ihr Album „Locomotora a Cuba“ klingt trotzdem wie ein Ausflug in die Karibik. Die 41-Jährige stellt ihren Mix aus Son Cubano, Pop und Flamenco Samstag

Mit was sind Sie am liebsten unterwegs: mit dem Flugzeug, dem Zug oder mit dem Auto? 

Addys Mercedes: Ich fahre am liebsten mit dem Zug. Dort kann ich träumen. Im Flugzeug hat man keinen Platz. Und mit dem Auto fahre ich auch nicht so gern, obwohl ich Mercedes heiße.

Ihr Album heißt „Locomotora a Cuba“. Warum wünschen Sie sich eine Lokomotive nach Kuba? 

Mercedes: Weil der Flug nach Kuba neun Stunden dauert. Da werde ich unruhig. In einem Zug könnte ich auch viele Dinge mitnehmen. Wir Kubaner wollen immer sehr viel mitnehmen, wenn wir nach Hause reisen, weil wir so große Familien haben. Leider schaffe ich es nur alle vier Jahre, nach Kuba zu fliegen. Ich komme aus der ostkubanischen Stadt Moa. Dort kann man das richtige Kuba kennenlernen, das nichts mit dem Buena Vista Social Club und dicken Zigarren zu tun hat. Hier sind die Leute viel einfacher.

Ihre Musik hat auch nicht viel mit dem Buena Vista Social Club zu tun. Inwiefern hat sich Ihr Stil geändert, seitdem Sie in Deutschland leben? 

Mercedes: In meiner Musik findet man jetzt viele Einflüsse - von kubanischer Musik über Reggae bis Rock und Jazz. In den Texten geht es aber weiterhin viel um meine Vergangenheit auf Kuba.

Als Sie 1993 in Deutschland zum ersten Mal Radio gehört haben, wunderten Sie sich, dass kaum deutschsprachige Lieder zu hören waren. 

Mercedes: Ich wollte die Sprache lernen, von der ich damals kein Wort konnte. Aber im Radio liefen fast nur englischsprachige Songs. Heute ist das Gott sei Dank anders. Irgendwann habe ich dann Lieder von Westernhagen entdeckt. Mit ihm und vielen Stunden vor dem Fernseher habe ich Deutsch gelernt. Auch heute bin ich noch Westernhagen-Fan.

Ein Lied heißt „Rompe el caracol“ (Komm aus dem Schneckenhaus). Tun sich die Deutschen bei Konzerten schwer, aus ihrer Haut zu kommen? 

Mercedes: Viele wissen nicht, wie sie zu kubanischen Rhythmen tanzen sollen. Mittlerweile ist es besser geworden. Als ich in Deutschland anfing, war ich oft traurig. Weil die Zuschauer kaum reagierten, dachte ich, sie mögen meine Lieder nicht. Irgendwann kamen Leute nach Konzerten zu mir, sagten, wie sehr es ihnen gefallen hat, und entschuldigten sich, weil sie sich nicht getraut haben zu tanzen. In Kuba ist das anders: Dort singen und tanzen die Menschen den ganzen Tag.

Was vermissen Sie an Deutschland, wenn Sie in Kuba sind? 

Mercedes: Die Zuverlässigkeit. In Kuba kann man sich auf nichts verlassen. Es ist ein Abenteuerland. Auch das macht die Magie des Landes aus. Wenn man dort Urlaub macht, kann das sehr schön sein. Aber wenn man dort lebt und etwas planen will, ist das Chaos anstrengend.

Addys Mercedes: Locomotora a Cuba (Media Luna). 

Addys Mercedes live: Samstag, 20 Uhr, Deutsches Theater Göttingen (Karten: 0551/4969-11). 4. Juli: Sommer im Park in Vellmar (0561/203-204). 

Zur Person: Addys Mercedes

Geboren: am 25. Mai 1973 in Moa (Kuba) Karriere: Anfang der 90er trat die Sängerin mit ihrer Band im kubanischen Touristenzentrum Playa Guardalavaca auf. 1993 wurde sie nach Deutschland eingeladen und blieb hier - wegen der Liebe. Ihr aktuelles Album wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Privates: Mercedes lebt mit ihrer Familie in Essen. Ihre 14-jährige Tochter studiert an der Folkwang-Hochschule Geige und begleitet Mercedes auf Tour.

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