ZDF zeigt "Der Fall Jakob von Metzler"

Fall Jakob von Metzler: ZDF zeigt Montagabend Verfilmung

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Robert Atzorn spielt in dem Film "Der Fall Jakob von Metzler" den Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner

Für seine Rolle als Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner, der 2002 bei den Ermittlungen zur Suche des entführten Bankierssohns Jakob von Metzler dem Tatverdächtigen Magnus Gäfgen Folter androhen ließ, ging Robert Atzorn bis ans Äußerste. Im Interview spricht er über die Identifikation mit der Rolle.

Atzorns beeindruckende Darstellung im Drama „Der Fall Jakob von Metzler“ von Stephan Wagner dürfte die Debatte um die angewandten Polizeimethoden neu beleben. Sowohl Daschner als auch Jakobs Vater Friedrich von Metzler halten den Film für authentisch. Wir sprachen mit dem 67 Jahre alten Schauspieler.

Herr Atzorn, ein Film über ein so bewegendes Thema, gedreht unter besonderen, abgeschirmten Bedingungen. Wie stark hat die Anspannung die Stimmung am Set bestimmt?

Robert Atzorn: Alle Kollegen haben 1000-prozentige Leistung gegeben und standen extrem unter Spannung. Wir waren ja immer konfrontiert mit dem Bild des getöteten Jungen. Dem wollten alle auf ihre Weise gerecht werden – und so wahrhaftig spielen wie möglich.

Wie erlebten Sie damals die Berichte von der Entführung und vom Tod des Kindes?

Atzorn: Mir blieb besonders in Erinnerung, wie stark und mit wie viel Würde die Familie von Metzler ihr Leid trug. Diese menschliche Größe war beispielhaft. Deswegen war enorme Ernsthaftigkeit auch beim Drehen zu spüren – bis in Details. Das ging ja so weit, dass jeder Satz, der fällt, von zwei Zeugen belegt sein muss.

Ihre Identifizierung mit Daschner, auch mit den Motiven und Konsequenzen seiner Handlung, ging ja sehr weit.

Zur Person: Robert Atzorn

Robert Atzorn wuchs in Oldenburg und Hamburg auf. Nach dem Abitur studierte er Grafik und besuchte die Neue Münchner Schauspielschule.

Bekannt wurde der 67-Jährige als Pastor Wiegandt in der Serie "Oh Gott, Herr Pfarrer", als "Unser Lehrer Dr. Specht" sowie als Hamburger Tatort-Kommissar. Atzorn ist zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei Söhne. (vsz)

Atzorn: Ich bin ein totaler Daschner-Fan. Man ist bei allen Gesetzen, die es gibt,seinem Gewissen verpflichtet. Das ist doch bei der Polizei nicht anders als etwa bei der Bundeswehr. Manchmal muss man wirklich auf seinen Instinkt hören. Ich habe mich mit der Daschner-Rolle vollständig identifiziert – das ging so weit, dass ich letztlich vermutlich genauso gehandelt hätte wie er.

Ist es als Schauspieler nicht üblich, mehr Distanz zur Rolle zu wahren?

Atzorn: Das ging diesmal nicht. Wie Daschner sich entscheiden soll und ob es richtig ist, was er macht, als er Foltermethoden androhen lässt, hat mich selbst sehr beschäftigt. Deswegen sehe ich am Schluss des Films auch tatsächlich so fertig aus, wenn ich als Daschner im Gerichtssaal sitze.

Üblicherweise würde man ja sehr erschrecken, wenn man von solchen Polizeimethoden hören würde.

Atzorn: Absolut. Man darf nicht vergessen, was Daschner in der Gerichtsverhandlung sagt: Es war eine einmalige Situation. Aber natürlich ist Folter indiskutabel – gar keine Frage. Es geht auch gar nicht, die Würde von Opfer und die des Täters abzustufen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Gesetze und Befehle manchmal eben auch nicht befolgt werden dürfen oder dass man eine Grenze überspringen muss, wenn dein Gewissen dir das sagt. (tx)

Hintergrund: Vor zehn Jahren wurde Jakob von Metzler ermordet

Auch zehn Jahre danach beschäftigt der Mord an dem elfjährigen Jakob von Metzler die Bevölkerung.

Am 27. September 2002, dem letzten Schultag vor den Herbstferien, hatte der verschuldete Jura-Student Magnus Gäfgen den ihm flüchtig bekannten Frankfurter Bankierssohn auf dem Heimweg abgepasst und ihn in seine Wohnung gelockt. Dort erstickte der damals 28-Jährige den Jungen.

Jakob von Metzler

Mit der Leiche im Kofferraum fuhr er zur benachbarten Villa der Familie und warf einenErpresserbrief mit der Lösegeldforderung von einer Million Euro ein. Nachdem die Polizei Gäfgen bei der Geldübergabe festgenommen hatte, nannte der den Beamten ein falsches Geiselversteck. Daraufhin ließ Vize-Polizeipräsident Wolfgang Daschner dem Täter Folter androhen. Von den einen wurde Daschner dafür als Held gefeiert. Trotzdem wurde er später wegen Nötigung verurteilt, eine Geldstrafe aber nur angedroht.

Gäfgen verbüßt seine lebenslange Haftstrafe in Schwalmstadt. Laut einem Gerichtsurteil muss das Land Hessen dem Kindsmörder wegen der Folterandrohung 3000 Euro plus Zinsen Entschädigung zahlen. Darüber wird im Oktober vor dem Oberlandesgericht Frankfurt neu verhandelt. (dpa/mal)

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