Interview: Die schwedische Sängerin Anna Ternheim über ihr neues Album

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Der Winter steht vor der Tür, und er hat Musik mitgebracht: Das neue Album von Anna Ternheim. 

In ihrer Heimat ist die schwedische Sängerin und Musikerin Anna Ternheim längst ein Star. In Deutschland gilt sie mit ihrer Mischung aus Jazz, Folk und Blues noch als Geheimtipp. Die 33-Jährige hat ihr viertes Album veröffentlicht. Wir trafen sie nach einem Konzert in Hamburg.

Frau Ternheim, Ihr neues Album heißt „The Night Visitor“ – wie kam es zu diesem Namen?

Anna Ternheim: Der Titel stammt von dem Lied „The Night Visiting Song” von Luke Kelly. Mein Produzent Matt (Matt Sweeney, Red.) spielte es mir eines Tages vor, und wir dachten darüber nach, ob das nicht ein guter Titel wäre. Der Gedanke hat sich dann festgesetzt. „The Night Visitor“ erzeugt Bilder. Der Titel lässt Raum für Fantasie.

Für das Album haben Sie mit vielen Legenden aus Nashville zusammengearbeitet.

Ternheim: Ja. Ferg (Dave Ferguson, Red.) zum Beispiel, mit dem ich das Duett bei „The Longer the Waiting, the Sweeter the Kiss“ gesungen habe. Er ist einer der wenigen in Nashville, die tatsächlich dort geboren und aufgewachsen sind. Mit 17 Jahren hat er angefangen, Musik aufzunehmen. Das hat er sein ganzes Leben lang gemacht. Er ist Nashville, er gehört dorthin. Drei Jahrzehnte lang hat Ferg mit Johnny Cash zusammengearbeitet. Und dabei war er mit 49 noch einer der Jüngsten, die ich dort kennengelernt habe.

Vor drei Jahren sind Sie nach New York gezogen. Wie kommt eine Frau aus dem ruhigen Stockholm im emsigen New York zurecht?

Ternheim: Ich bin oft allein in meiner Wohnung und arbeite. Dann schließe ich den Lärm aus, sitze in meiner Blase und schreibe Lieder. Wenn es mir zuviel wird, gehe ich vor die Tür. Da gibt es einfach alles. Da wartet das gesunde Chaos. Man kann eintauchen, sich von der Masse verschlucken lassen. New York lebt. Ich lebe. Wir passen einfach gut zusammen.

Was ist das Besondere an der Stadt?

Ternheim: Was mir immer wieder auffällt, wenn ich zurückkomme, ist das Licht. Die Energie, die greifbar ist. Menschen überall. Bewegung. Und die vielen Kulturen. Die Menschen kommen aus allen Ecken der Welt. New York ist eine spezielle Stadt. Man mag sie, oder man mag sie nicht. Viele Menschen, die dort leben, wurden nicht dort geboren. Sie kommen nach New York, um etwas zu erledigen. Dann gehen sie wieder. Ich weiß nicht, wie lange ich bleiben werde. Vielleicht wache ich eines Tages auf und denke, das ist mir alles zu verrückt. New York ist kein leichtes Pflaster. Jeder kämpft dort um sein Leben. Jeden Tag.

Sie haben sich in Brooklyn eine neue Gitarre gekauft. War es Liebe auf den ersten Blick?

Ternheim: Als ich das letzte Mal geflogen bin, meinte die Crew, ich könnte die Gitarre nicht mit an Bord nehmen. Da hab ich gesagt: „Sie ist magisch! Sie verstehen nicht, es ist eine magische Gitarre! Die nehme ich mit an Bord oder Sie müssen mich rausschmeißen!” (lacht) Dann haben sie mich tatsächlich reingelassen. Es war noch ein Sitzplatz frei. Da konnte ich sie anschnallen. Die Gibson ist das erste Instrument, das mir wirklich etwas bedeutet. Ich verdanke ihr viel. Sie hat die Richtung des neuen Albums vorgegeben. Instrumente können so etwas. Es gibt einen alten Spruch: „Wenn dir keine Lieder mehr einfallen, kauf dir ein neues Instrument!”

Man hat Sie als junge Frau mit alter Seele charakterisiert. Was verbirgt sich hinter dieser Beschreibung?

Ternheim: (lacht) Das ist eine gute Frage. In bestimmten Dingen entspreche ich sicher nicht meinem Alter. Die Puzzleteile sind noch längst nicht alle an ihrem Platz. Vielleicht konnte ich deswegen so gut mit diesen alten Männern in Nashville zusammenarbeiten. Vielleicht haben wir uns auf halbem Weg getroffen. Sie waren die alten Männer mit den jungen Seelen und ich der Gegenpol. In jedem Menschen steckt mehr als nur eine Person. Ich bin eine Mischung aus einer sehr, sehr alten Dame und einem 13-jährigen Jungen.

Anna Ternheim: The Night Visitor. Stockholm Records (Universal). Wertung: sehr empfehlenswert

• Von dieser CD verlosen wir drei Exemplare. Rufen Sie am Dienstag, 13. Dezember, unser Glückstelefon an: 01379 / 013354. Nennen Sie Ihren Namen, Adresse und das Stichwort Ternheim. Der Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 50 Cent, die Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen. Die Gewinner werden benachrichtigt.

Von Jörgen Camrath

Das Interview gibt es in hier vollständiger Länge.

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