Interview: Til Schweiger über seinen Film "Schutzengel"

Til Schweiger dreht in Deutschland die erfolgreichsten Filme und kassiert dafür oft genug böse Kritiken. Nach „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ und Co. präsentiert er nun mit „Schutzengel“ einen Actionfilm um einen Ex-Soldaten, der eine kleine Zeugin beschützen soll.

Einmal mehr ist Schweiger als Regisseur und Hauptdarsteller aktiv. An seiner Seite spielen Tochter Luna und Moritz Bleibtreu. Das Drama, das in dieser Woche in die Kinos kommt, schaffte es bereits in die Vorschlagliste für die deutsche Oscar-Kandidaten.

Herr Schweiger, ist „Schutzengel“ eine Art „Kokowääh“ für Männer oder Actionkino für Frauen?

Til Schweiger: Ich stecke Filme nur ungern in Schubladen. „Schutzengel“ ist eine Mischung aus Actionfilm, Actionkomödie, Drama und Liebesgeschichte - was es in dieser Form wohl so noch nicht gegeben hat. Wie bei „Knockin’ on Heaven’s Door“ wollen wir zwei Genres verknüpfen: Action und viel Emotionen. „Knockin’“ wurde damals vorgeworfen, der Film setze sich zwischen zwei Stühle, doch gerade dieses Konzept hat beim Publikum glänzend funktioniert - bei Männern und Frauen gleichermaßen.

Das Action-Genre fristet hierzulande eher ein Armutsdasein - woran liegt das?

Schweiger:Weil Action relativ teuer ist. Zudem hat man die Konkurrenz von Hollywood im Nacken, wo man sich Budgets von 250 Millionen Dollar für einen Film leisten kann. Allerdings kenne ich etliche Kollegen, die große Hoffnungen darauf setzen, dass „Schutzengel“ funktioniert und damit neue Türen für dieses Genre bei uns geöffnet werden.

Wie viel Schuss Munition wurden in diesem Film verpulvert?

Schweiger: Dazu gibt es keine eigene Statistik. Allerdings hieß es nach der zweiten Woche von den Spezialeffekt-Leuten, dass wir bereits mehr Munition verschossen hätten als bei der gesamten Produktion von „Der Baader-Meinhof-Komplex“.

Von Tarantino lernen heißt schießen lernen?

Schweiger: Nein, ich habe bereits vorher in Filmen geschossen. Ein zusätzliches, intensives Waffen-Training bekam ich für die aktuelle Produktion allerdings von einem ehemaligen britischen Elite-Soldaten, der mit mir auch am Drehbuch für den Film geschrieben hat.

Wie wichtig ist Logik in diesem Genre? Darf der Held jeder noch so großen Übermacht einfach auf wundersame Weise entkommen?

Schweiger: Es gibt eine Version, wo Max jeden einzelnen Angreifer erschießt. Ich habe mich jedoch dagegen entschieden, weil man das schon hundertmal gesehen hat. Die Art, wie diese Situation nun im Film aufgelöst wird, finde ich viel spannender. Logisch ist das allemal, weil Elitesoldaten darauf trainiert sind, selbst ausweglos erscheinende Situationen zu überstehen.

Filme mit Til Schweiger verbuchten in den letzten zehn Jahren 40 Millionen Zuschauer. Gleichzeitig wird kaum ein Künstler hierzulande mit ähnlicher Häme überzogen - wie gehen Sie damit um?

Schweiger: Die Häme kommt ja nicht vom Publikum, auf der Straße bin ich noch nie beschimpft worden. Mit ständigen Verrissen von einem Teil der Filmkritik habe ich längst meinen Frieden gemacht. Ärgerlicher finde ich Kommentare im Internet, die vorzugsweise anonym geschrieben werden und wohl viel mit Neid zu tun haben. Sich so versteckt zu äußern, ist eher feige als mutig.

Ihre älteste Tochter Luna spielt diesmal die Hauptrolle - wie funktioniert der Familienbetrieb vor der Kamera?

Schweiger: Luna war bereits 2009 bei „Phantomschmerz“ dabei, bei dem mein Freund Matthias Emcke Regie geführt hat. Für mich ist es großartig, mit den eigenen Töchtern zu drehen. Man verbringt auf diese Weise sehr viel Zeit mit den Kindern, und die Arbeit schweißt auf ganz besondere Art zusammen.

Zur Person:

Til Schweiger (48, getrennt lebend, vier Kinder) wurde in Freiburg geboren und wuchs in Heuchelheim bei Gießen auf. Heute lebt er in Berlin. Nach dem Abitur absolvierte er die Schauspielschule in Köln, arbeitete als Synchronsprecher für Pornos und spielte in der ARD-„Lindenstraße“. Den Durchbruch schaffte der Schauspieler mit „Manta Manta“ (1991). Es folgten Kassenschlager wie „Der bewegte Mann“ (1994), „Männerpension“ (1995) und „Knockin’ on Heaven’s Door“ (1997). Zuletzt lockte er die Massen ins Kino in seinen beiden romantischen Komödien „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“. Als Kontrast dazu spielte er in Quentin Tarantinos Kriegsfilm „Inglourious Basterds“.

Von Dieter Osswald

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