Interview: Shakespeare-Kenner Branagh über seine Comic-Verfilmung „Thor“

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Helden mit ähnlichen Problemen wie bei Shakespeare: Thor (Chris Hemsworth) und Jane Foster (Natalie Portman).

Der britische Schauspieler Kenneth Branagh hat sich als Regisseur durch seine Shakespeare-Verfilmungen wie „Viel Lärm um Nichts“ einen Namen gemacht. Nun hat Branagh in der 150 Millionen Dollar schweren Hollywood-Produktion den Comic „Thor“ aus dem „Marvel“-Verlag verfilmt.

Wir sprachen mit dem 50-Jährigen, bevor der Streifen am Donnerstag in die Kinos kommt.

Was hat Sie als Shakespeare-Regisseur an diesem „Superhelden-Film“ interessiert?

Kenneth Branagh: Der „Marvel“-Verlag hat mit seinen Comics ein Universum geschaffen, in dem die Figuren durch gegenseitige Referenzen miteinander verbunden sind. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Kosmos, in den man sich begibt.

Haben Sie die Größe des Projekts und die damit verbundene Verantwortung nicht abgeschreckt?

Branagh: Sicherlich. Aber ich kannte die Comic-Vorlagen sehr gut und hatte schnell eine klare Vorstellung davon, wie ich an diese Story herangehen wollte. Ich hatte einfach Lust auf dieses große Abenteuer. Als Regisseur habe ich schon immer gern neue Dinge ausprobiert. Der Lernprozess bei einem Projekt dieser Größenordnung ist einfach fantastisch. Außerdem habe ich durch den Film nun einmal ein paar Jahre in Hollywood gelebt - das lässt man sich auch gefallen.

Was haben das Shakespeare-Universum und die Welt eines „Marvel“-Comics gemeinsam?

Branagh: „Thor“ handelt von einer königlichen Familie in Schwierigkeiten - davon gibt es bei Shakespeare jede Menge. Heinrich V. hatte keine einfache Beziehung zu seinem Vater. In „Hamlet“ wiederum wird sehr viel mit Magie gearbeitet. Shakespeare hat sich bei der Mythologie der Griechen und Römer bedient und „Marvel“-Gründer Stan Lee in der nordischen Sagenwelt. Gemeinsam ist den beiden die Faszination für das Fantastische sowie für das Leben der Privilegierten und die Zerbrechlichkeit der Mächtigen.

Sie haben sich in „Thor“ zum ersten Mal intensiv digitalen Bilderwelten anvertraut.

Branagh: Die Arbeit vor dem Greenscreen ist vor allem für die Darsteller eine Herausforderung, weil sie in diesem leeren Raum ihre Vorstellungskraft aufrechterhalten müssen. Das ist bei Theaterproben nicht anders: Auf dem Papier steht „Eine Insel im Mittelmeer“, und dann muss man auf die Bühne und sich das vorstellen.

Der „Marvel“-Konzern ist bekannt dafür, dass er bei der Verfilmung seiner Comic-Vorlagen die Zügel fest in der Hand behält. Bei „Thor“ waren fünf Drehbuchautoren am Start. Fühlt man sich da als Regisseur ein wenig überbehütet?

Branagh: Vor „Thor“ hatte ich „1 Mord für 2“ nach einem Drehbuch von Harold Pinter gedreht - der Kontrast könnte nicht größer sein. Als ich bei „1 Mord für 2“ eine kleine Änderung am Ende vornehmen wollte, musste ich eine Woche lang all meinen Mut zusammennehmen, um dem großen Harold Pinter mein Anliegen vorzubringen. Zuerst fauchte er wie ein Löwe und sagte nach 20 Minuten: „Ich glaube, dass in meinem gesamten Werk das Ende von ,1 Mord für 2’ das Vollkommenste ist, was ich je geschrieben habe.“ Damit war die Sache für ihn und auch für mich erledigt. Dagegen war die Arbeit mit den „Marvel“-Autoren die reinste Butterfahrt.

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