Interview: Steven Spielberg über seine Verfilmung von „Tim und Struppi“

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Zwei Legenden bei der Arbeit: Regisseur Steven Spielberg (rechts) realisierte mit Produzent Peter Jackson („Der Herr der Ringe“) den Kino-Spaß „Die Abenteuer von Tim und Struppi“.

Steven Spielbergs Filme wie „Der weiße Hai“ (1975), „E.T.“ (1982) und „Schindler’s Liste“ (1993) sind längst Klassiker. Nun hat der US-Regisseur mit Hergés „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ einen Klassiker der Comic-Geschichte verfilmt.

Wir sprachen mit dem 64 Jahre alten Filmemacher vor dem Kinostart am Donnerstag.

Mr. Spielberg, bisher sind Sie zu der Welle der Comic-Verfilmungen auf Abstand geblieben. Was hat Sie dazu verleitet, „Tim und Struppi“ zu adaptieren?

Steven Spielberg: Ich hatte mich schon 1983 dazu entschlossen, „Tim und Struppi“ zu verfilmen, als ich mit Hergé am Telefon darüber gesprochen habe, wie man seine Comics auf die Leinwand bringen könnte. Das war lange, bevor Comic-Helden in Hollywood eine feste Größe wurden. Ich mochte, wie seine Comics mit der Realität umgingen.

Worin unterscheidet sich Tim von den anderen Superhelden?

Spielberg: Mich faszinieren sein Forschungsdrang und die Hartnäckigkeit, mit der er seine Ziele verfolgt. Er ist ein bescheidener Held ohne irgendwelche Spezialeffekte.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, den Film im komplizierten „Motion-Capture-Verfahren“ zu drehen, bei dem Stimme, Mimik und Bewegung der Schauspieler in den Computer eingespeist und mit den digital entworfenen Comicwesen zusammengerechnet werden?

Spielberg: Wir wollten bewusst eine eigene filmische Kunstform entwickeln, die der Kunstform gerecht wird, die Hergé mit Stift und Farbe in seinen Comics kreiert hat. Ich konnte mir nicht vorstellen, die Schauspieler mit Gesichtsprothesen auszustatten, um ihr Aussehen den Comicfiguren anzupassen. Mit dem „Motion-Capture-Verfahren“ konnten wir so nah wie möglich an der Comic-Vorlage bleiben.

„Tim und Struppi“ ist der erste Film, den Sie komplett digital gedreht und geschnitten haben. Wie schwer ist Ihnen der Abschied von den traditionellen Filmstreifen gefallen?

Spielberg: Da habe ich mich einfach mit abgefunden. Eine Technologie zu benutzen, um eine Figur besser entwickeln oder eine bestimmte Authentizität herstellen zu können - das ist völlig in Ordnung für mich.

Sind Sie nostalgisch?

Spielberg: Je mehr die elektronische Welt die Kontrolle über unser Leben übernimmt, desto mehr genieße ich die einfachen Freuden des Lebens. Anstatt zu googeln, gehe ich manchmal lieber in eine Bibliothek, um etwas nachzuschlagen, so wie es Tim auch in unserem Film macht.

Nach der digitalen Revolution folgt nun die 3D-Aufrüstung in den Multiplexen. Wie sieht die Kinokultur in 20 Jahren aus?

Spielberg: Vor 50 Jahren hätte ich solche Vorhersagen vielleicht noch treffen können. Aber heute mit dem rasanten technologischen Fortschritt und den gravierenden Auswirkungen, die diese Entwicklungen auf die Gesellschaft haben, wage ich keine Prognose.

Von Martin Schwickert

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