Das Nomos-Quartett erweckte in der Lutherkirche Schubert in unterschiedlichen Facetten

Die intime Seite des Komponisten

Kassel. Die „Jahre der Krise“ waren unmittelbar überwunden: Schubert widmete sich ein weiteres Mal der Gattung Streichquartett und schuf das berühmte Werk „Der Tod und das Mädchen“, das sich auf ein Gedicht von Matthias Claudius beruft. So, wie Schubert von außen inspiriert wurde, so bildete er auch den Bezugspunkt für die zeitgenössischen Kompositionen von Adriana Hölszky und Sarah Nemtsov beim Konzert in der Lutherkirche. „In Memoriam“ lautete der Titel des Abends in der Konzertreihe „Komponistinnen und ihr Werk“ mit dem Nomos-Quartett.

Zart und filigran transportierte das Nomos-Quartett die Schubert’schen Klänge. Schlank und silbrig war die Tonfarbe der Musiker in der Lutherkirche und betonte im dynamisch überwiegenden Pianissimo hauptsächlich die ganz intime Seite des Wiener Komponisten.

Temperamentvoll und sehr überzeugt zeigte sich das Quartett dagegen bei Adriana Hölszkys „Hängebrücken“, der widersprüchlichen Reminiszenz an Schubert. Vibrierende Klangfelder und schrille Klangspitzen bildeten starke Kontraste, und die Streicher schufen auf diesen fragmentarischen Klängen eine virtuose Lebendigkeit. Ähnlich auch bei Sarah Nemtsovs Streichquartett „Im Andenken“, dem das Fragment aus Schuberts Quartettsatz zugrunde liegt. Je mehr sich Schuberts Klänge auflösen und in atomischen Bruchstücken verhallten, desto agiler interpretierte das Nomos-Quartett, bevor es die letzten Schwingungen von Schuberts Fragment stimmungsvoll aushauchte.

Von Alena Ey

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