Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh über seinen neuen Film „Der Informant!“ mit Matt Damon

„Irgendwann muss man lachen“

Als Filmemacher liebt Steven Soderbergh („Ocean’s Eleven“) die starken Kontraste. Gerade hat er sich in seinem zweiteiligen Opus „Che“ dem Wirken der Revolutionsikone Che Guevara gewidmet, da katapultiert er sich in seinem neuen Film „Der Informant!“ direkt in die Chefetagen des Kapitals. Die Satire, die an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft, erzählt von dem Biochemiker Mark Whitacre (Matt Damon), der als Spitzel des FBI die illegalen Machenschaften eines US-Lebensmittelkonzerns enthüllen soll und dabei die Chefetage des Unternehmens genauso an der Nase herumführt wie die Auftraggeber der Bundespolizei. Wir sprachen mit dem 46 Jahre alten Amerikaner.

In der Buchvorlage von Kurt Eichenwald ist die reale Geschichte des FBI-Informanten Mark Whitacre keineswegs als Satire angelegt. Warum haben Sie sich für die Komödienform entscheiden?

Steven Soderbergh: Für mich liegt der humoristische Kern der Geschichte darin, dass der korrumpierte Vizepräsident eines Nahrungsmittelkonzerns so hart daran arbeitet, vollkommen unschuldig zu wirken und dabei sich selbst und andere immer tiefer reinreitet. Ab einem bestimmten Punkt im Buch war mir klar, dass das Publikum so oder so lachen muss. Warum dann nicht gleich eine Satire daraus machen? Whitacre stiehlt von einer Firma, die andere bestohlen hat. Im Grunde wäre er der ideale Kandidat für das „Ocean’s Eleven“-Team. Außerdem glaube ich, dass die Ideen des Films, wenn sie in Form einer Komödie transportiert werden, länger im Gedächtnis haften bleiben als bei einem bierernsten Drama.

Was genau hat Sie an der Figur gereizt?

Soderbergh: Whitacre war ein freundlicher Mensch. Viele Leute haben ihn gemocht. Das Ungewöhnliche an der Figur ist, dass er in der Geschichte gleichzeitig der Gute und der Böse ist. Eigentlich wollte er ja, dadurch dass er die Machenschaften seines Betriebes aufdeckte, der auf Kosten der Konsumenten mit illegalen Preisabsprachen Millionengewinne machte, etwas Gutes tun. Er hat es nur auf die denkbar schlechteste Art gemacht.

„Matt Damon springt von der Klippe und schaut nicht zurück.“

Steven Soderbergh über den Star seines Films

Wenn man Ihre Filmografie anschaut, dann wechseln sich kommerziellere Studioproduktionen und Independent-Filme regelmäßig ab. Ist das für Sie als Filmemacher ein finanzielles Überlebenskonzept?

Soderbergh: Ich habe kein festes System. Irgendetwas weckt mein Interesse, und dann gibt es eine ganze Menge Faktoren, die darüber entscheiden, ob daraus ein Film wird. Es kommt darauf an, was gerade in unserer Kultur geschieht und ob der Film in die aktuelle gesellschaftliche Stimmung passt. Manchmal ist das Volumen des Films zu groß, um eine anständige Finanzierung auf die Beine zu stellen, oder ich stelle fest, dass das Sujet zwar interessant ist, aber in die Hand eines anderen Regisseurs gehört. Diese Studioproduktion mit einem eher kleinen Budget kam für mich gerade zur rechten Zeit. „Che“, den ich zuvor gedreht hatte, war eine sehr schwierige Produktion. „Der Informant!“ war dagegen das reinste Erholung.

Dies ist bereits das fünfte Mal, dass Sie mit Matt Damon arbeiten, allerdings das erste Mal, dass Sie ihm eine Hauptrolle gegeben haben. Was schätzen Sie an ihm?

Soderbergh: Matt Damon ist immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen. Das muss man ihm hoch anrechnen. Viele Menschen - nicht nur Schauspieler - erstarren nach ihrem ersten großen Erfolg und haben Angst, irgendetwas zu tun, was ihr erlangtes Ansehen diskreditieren könnte. Matt Damon - genauso wie George Clooney - sind als Intellektuelle viel zu ruhelos, um in diese Falle zu gehen. Sie interessieren sich für viele Dinge, freuen sich über ihren Erfolg, fühlen sich aber nicht an eine bestimmte Art von Film oder Rolle gebunden und machen sich keine Sorgen darum, ob die Leute ihnen folgen oder nicht. Und genau das sucht man als Regisseur. Einen Schauspieler, der keine Angst hat und sich vollständig auf die Transformation einlässt, so wie es Matt Damon in diesem Film tut. Er springt von der Klippe und schaut nicht zurück.

Von Martin Schwickert

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