Das Theater-Jugendorchester-Projekt „Oh, tell O.!“ begeistert bei der Premiere in Kassel

Irgendwie sind sie alle Stars

Spinnt die Intrige: Jago (Hans Lydman) mit Mona (Inna Kalinina). Fotos: Klinger

Kassel. Viele Fragen werden in dem Stück „Oh, tell O.!“ in wenig mehr als einer Stunde aufgeworfen. Was macht einen Star zum Star? Wer ist Außenseiter? Warum schaffen es die einen und die anderen nicht? Kann Eifersucht töten? Sollen Mädchen taff oder anschmiegsam sein? Und konkret: Wer gewinnt die Gunst der Fans - Mr. O., sein Freund und Konkurrent Jago oder die tolle Mona?

Wie auch das Vorbild, Verdis „Otello“, rollt dieses Stück wie ein Gewitter über die Zuschauer. So dicht, so stark und so berührend war noch keines der Theater-Jugendorchester-Projekte zuvor. So sah es auch das Publikum im ausverkauften Kasseler Schauspielhaus, das minutenlang rhythmisch Beifall spendete. Tatsächlich passt hier sehr vieles zusammen. • Das Stück: Aus Shakespeares Otello wird der Band-Leader und Rapper Mr. O. Er verliebt sich in die Background-Sängerin Mona (Desdemona) und möchte sie groß rausbringen. Doch sein Kumpel Jago gönnt beiden den Erfolg nicht und will selbst an die Spitze. Auch die Bandmitglieder Cassio und Emilie haben Ambitionen. Jago schürt den Streit und macht Mr. O. eifersüchtig. Die Fans, die vorher Mr. O. zujubelten, sind gespalten. Beim Streit mit dem gekränkten Star knallt Mona auf die Bühne - tot. War es ein Unfall? Die Fans aber singen nun: „Viva Jago!“ • Musik und Texte: Perfekt greifen die schönsten Nummern aus Verdis und Rossinis „Otello“-Opern mit den harten Beats und Raps ineinander. Die jugendlichen Fans sind als Chor musikalische Akteure. „Oh tell, O.!“ wurde als „Electr’opera“ vom Hamburger Opernloft konzipiert. Die Arrangements stammen aber vom musikalischen Leiter Thomas Rimes, die Orchesterbearbeitung von Norbert Geismann. Und der Kasseler Rapper Tim Taylor hat zusammen mit Darsteller Thomas Sprekelsen ganz starke Texte geschrieben. Verdis Trinklied, Jagos „Credo“, das „Ave Maria“ Monas sind musikalische Fixpunkte, aber auch Rossinis Duett „Vorrei, che il tuo pensiero“, anrührend gesungen von Inna Kalinina und der Laien-Darstellerin Karin Hoffmann. • Bühne und Regie: Eine Landschaft aus Podesten genügt, damit die fantasievoll kostümierten Darsteller das Stück nah ans Publikum bringen, während das Orchester hinten auf der Bühne sichtbar agiert. Toll gelöst vom Regieteam Eva Lange, Cornelia Schmidt und Carolin Mittler. • Die Darsteller: Irgendwie sind sie alle Stars: die fünf Bandmitglieder Thomas Sprekelsen (Mr. O.), Inna Kalinina (Mona), Hans Lydman (Jago), Karin Hoffmann (Emilie) und Jasper von Bodenhausen (Cassio). Aber auch die 22 jugendlichen Darsteller als Fans und Chor sowie die 66 (!) Mitglieder des Theater-Jugendorchesters, das mit dem Dirigenten Thomas Rimes auch die heiklen Passagen der schweren Partitur gut meisterte.

Weitere Vorstellungen am 18., 19. und 23. Juni. Karten unter Tel. 0561 / 1094-222.

Von Werner Fritsch

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