Der irre Rapper Romano: „Bei mir ist Mordsparty“

Bomberjacke und lange Zöpfe sind sein Markenzeichen: Der Berliner Rapper Romano, der eigentlich Roman Geike heißt. Foto: Riccius

Bomberjacke und Zöpfe sind das Markenzeichen von Romano, der HipHop mit Metal und Schlager mixt. Seinen Auftritt am 28. Mai beim Oben-Festival in Baunatal sollte man nicht verpassen.

Der Berliner Rapper Romano war Frontmann einer Metalband, produzierte Drum’n’Bass und sang Schlagerlieder. Auf seinem irren Major-Debüt „Jenseits von Köpenick“ verbindet er nun alle Stile. Am 28. Mai ist der 38-Jährige, der eigentlich Roman Geike heißt, einer der Stars des ersten Oben-Festivals an der Baunataler Knallhütte bei Kassel. Wir sprachen mit Romano unter anderem über seinen Hit, in dem er rappt, dass alle Freunde zur Begrüßung einen „Klaps auf den Po“ bekommen.

Wenn wir jetzt nicht telefonieren, sondern uns von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen würden, hätten Sie mir zur Begrüßung einen Klaps auf den Po gegeben? 

Romano: Ich hätte erst mal den Blickkontakt gesucht. Wenn der länger als drei Sekunden dauert und ich eine bestimmte Energie spüre, gibt es einen Klaps auf den Po, na klar.

Was ist daran besser, als einfach die Hand zu geben? 

Romano: Es ist persönlicher und man baut eine gewisse Nähe auf. Wenn der Klaps gut gesetzt ist, fühlt sich das an wie eine kleine Massage.

Wie reagieren Frauen darauf? 

Romano: Wahllos klapsen wäre Quatsch. Man muss immer schauen, wie die Stimmung ist. Bis jetzt war es bei mir immer positiv. Einmal dachte ich, es könnte brenzlig werden. Dann kamen wir ins Gespräch. Danach wollte sie sogar noch einen Klaps haben.

Sie meinen das aber schon alles ernst, was Sie als Romano machen? 

Romano: Auf jeden Fall. Ich mache nicht nur Klamauk. Natürlich habe ich auch Lieder, die das Leben an sich feiern. Zugleich spreche ich immer wieder ernste Themen an. „Brenn die Bank ab“ habe ich geschrieben, nachdem ich vor meiner Wohnung in Köpenick Rentner mit ihren Enkeln gesehen habe, die nachts mit Taschenlampen den Müll durchsuchten. Die haben doch eine gute Rente verdient. In „Heiß heiß Baby” breche ich die Schönheitsideale auf. Mit Humor kann man seine Messages besser an die Leute bringen.

Sie sagen, Sie seien wie Karl May. Ist doch alles nur ausgedacht? 

Romano: Nein, nur vielleicht ein bisschen überzogen. Karl May ist eine Inspirationsquelle für mich. Er war nie in Amerika, hat darüber aber großartige Romane geschrieben. Man muss also nicht überall gewesen sein, man hat schon alles in sich. Das ist ähnlich wie bei Pippi Langstrumpf, mit der mich jemand wegen meiner Zöpfe verglichen hat. Die baut sich die Welt auch, wie sie ihr gefällt. Das ist irgendwie geil.

Ihre Welt ist vor allem Köpenick. Was macht den Berliner Stadtteil so toll? 

Romano: Als ich in Berlin als Mediengestalter gearbeitet habe und jeden Tag eine Stunde hin- und eine Stunde wieder zurückgefahren bin, habe ich mich gefragt: Warum kommst du immer wieder nach Köpenick zurück? Da wurde mir klar: Es ist kein Flirt, sondern echte Liebe. Hier riecht es nach Filterkaffee, Erdbeerkuchen und Sekt. Ich kann mit den Rentnern quatschen. In Köpenick fühle ich mich extrem wohl.

Wie würden Sie die Musik von Romano nennen: Metal-Rap? Elektro-HipHop? Satans-Pop? 

Romano: Man sollte die einzelnen Projekte als Schiffe auf dem Meer sehen. Schlager wäre das Traumschiff. Nun sind alle Schiffe in den Romano-Hafen eingefahren. Und da ist gerade eine Mordsparty mit megaguter Laune. Es kann aber sein, dass ein Schiff wieder auf hohe See fährt.

In den 90ern hat man selten Rapper auf Metalkonzerten angetroffen und umgekehrt. Gibt es die Grenzen zwischen den Genres eigentlich noch? 

Romano: Es ist alles verbindender geworden. Bei mir war das aber nie so streng getrennt. In den 90ern hatte ich einen großen Freundeskreis. Ein Kumpel war Techno-DJ. Über einen Freund, der auf dem Tisch einen Totenschädel als Aschenbecher stehen hatte, bin ich an Metal gekommen. Berlin war nach der Wende wie ein Kochtopf, auf dem der Deckel wegfliegt. Aggressiv und kreativ. Da bin ich groß geworden.

Schocken kann Sie nun auch deshalb nichts mehr, weil Sie als Schlagersänger durch die ostdeutsche Provinz getingelt sind. 

Romano: Das war total charmant. Wir sind auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern aufgetreten. Das Schärfste war, als wir bei der Schließung einer Pizzeria die Mitarbeiter aufheitern sollten.

Zur Person 

Roman Geike alias Romano

Geboren: 1977 in Berlin-Köpenick

Ausbildung: zum Mediengestalter

Karriere: Geike war Rapper, Mitglied einer Metalband, machte Drum’n’Bass und Schlager, bevor er als Romano alles vereinte.

Privates: lebt in Köpenick (mehr verrät er nicht)

Hobbys: Geike nimmt klassischen Ballettunterricht.

Das Album: „Jenseits von Köpenick“ (Virgin/Universal)

Das Oben-Festival

Festival: Zwei Tage nach dem Fest der Hütt-Brauerei und dem Dorothea-Viehmann-Wandertag findet am Samstag, 28. Mai, an der Baunataler Knallhütte das erste Oben-Festival statt. Veranstalter sind junge Kreative aus Kassel, die unter anderen den Club Unten am Kulturbahnhof betreiben - daher der Name.

Künstler: Romano, Kytes (Indie-Pop), Robot Koch (Elektronik), Claire (Indie-Pop), Dark Vatter (nordhessischer Rock’n’Roll), Vögel die Erde essen (Punk, Metal und Soul), #Instantboner (Live-Elektronik-Duo), Antifuchs (Rap), Joe Kickass (Rap), Basti Fabel (DJ), Der Schmeisser (DJ), Arth Goldau (DJ), Heinrich II (Indiepop), Miles Borghese (House), Wir bringen kalten Kaffee mit (Indie-Pop), Seau Volant (Polka und Klezmer), Cuzzle Hyopaiz (HipHop).

Karten: Tickets gibt es ab 37,50 Euro beim HNA-Kartenservice (0561/203-204) sowie unter www.oben-festival.de

Zur Internetseite des Rappers

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