Die Kinobranche verzeichnet ein Besucherplus - 3D-Technik setzt sich durch - Starker deutscher Film

Das Jahr, in dem die Brille kam

So viel Zufriedenheit war in der Filmbranche lange nicht. „Wir rechnen mit zweistelligen Umsatz- und Besucherzuwächsen im Vergleich zum Vorjahr“, sagt der Vorsitzende der Zukunft Kino Marketing GmbH, einer gemeinsamen Tochterfirma von Kino- und Filmverleiherverbänden, Jan Oesterlin, unserer Zeitung. Bis Mitte Dezember wurden in Deutschland rund 132,6 Millionen Kinokarten verkauft, der Gesamtumsatz lag bei 881,2 Millionen Euro (2008: 129,4 Karten, 794,7 Mio. Euro Umsatz). Zum Jahresende werden noch Zuwächse erwartet. Oesterlin erklärt den Zuschauerzuspruch mit kontinuierlicher Qualität und einem Angebot für alle Zielgruppen: Vom Familienfilm über internationale Blockbuster bis zum Actionkracher war alles dabei. Dazu kommt: „Kinos sind gerade in Krisenzeiten ein Ort, den die Menschen gern aufsuchen, um ihren Alltag zu vergessen.“

Besonders an drei Fronten konnte die Filmbranche in diesem Jahr Siege verbuchen. So unterschiedliche Filme wie „Bis(s) zur Mittagsstunde“, „Ice Age 3“ und „Das weiße Band“ stehen dafür: Die Vampirromanze beweist, dass es gelungen ist, passgenaue Angebote für die stärker denn je avisierte Zielgruppe junge Frauen zu schaffen: Der Film wie auch sein Vorgänger „Bis(s) zum Morgengrauen“ sorgte wochenlang für ausverkaufte Kinovorstellungen, ihn haben drei Millionen Zuschauer gesehen (Teil 1: 2,7), Fan-Wünsche hatten dazu geführt, dass er überhaupt schon 2009 auf die Leinwand kam.

„Ice Age 3“ ist der besucherstärkste Film des Jahres: 8,7 Millionen lachten mit den Eiszeit-Viechern um Säbelzahn-Nagetier Scrat. Das Animationsabenteuer symbolisiert zugleich den Durchbruch der 3D-Technik auf breiter Front. Im Juli startete er mit 150 Kopien (2D: 1050). So groß war in Deutschland noch nie ein 3D-Film angelaufen. Einen Ruck gab es dann nochmal kurz vor Weihnachten mit James Camerons „Avatar“. Noch mehr Kinos hatten Vorführsäle umgerüstet, „Avatar“ lief mit 300 3D-Kopien an (von ca. 1200). Das Science-Fiction-Abenteuer ist das 3D-Überwältigungskino eines Perfektionisten, der dafür neue Kameras entwickelt hat und trotzdem weiß, dass tolle Technik nicht alles ist. An die Spezialbrillen hat sich das Publikum gewöhnt: 3D-Säle sind nach Oesterlins Auskunft um bis zu 30 Prozent besser ausgelastet als die, wo derselbe Film in 2D läuft.

Einen ganz anderen Akzent setzt Michael Hanekes Kindheitsdrama „Das weiße Band“. International ausgezeichnet (Goldene Palme, Europäischer Filmpreis), beweist Haneke, dass der deutschsprachige Film sich weltweit sehen lassen kann. Wenn er denn so sorgfältig gemacht, präzise erzählt und fotografiert ist - selbst wie hier in Schwarz-Weiß. Technische Gimmicks sind eben nicht alles - auch nicht im Kinojahr 2009.

Der deutsche Film feiert 2009 ein Erfolgsjahr. Sein Besuchermarktanteil liegt bei 27 Prozent (2008: 22). Dafür sorgten Erfolgsgarant Michael „Bully“ Herbig mit seinem Kinderabenteuer „Wickie“ (4,8 Mio. Zuschauer), Sönke Wortmann mit „Die Päpstin“ (2,2 Mio.) und Til Schweiger mit „Zweiohrküken“, der erst im Advent gestartet ist (bereits 2,3 Mio.).

Von Bettina Fraschke

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