Rückblick 2012: Der 20 Jahre alte Rapper Cro und Retro-Stars wie Lana del Rey bestimmten die Popmusik

Es war das Jahr des Pandas

Gesichter des Pop-Jahres: Der Stuttgarter Rapper Cro (von links) versteckte sich hinter einer Pandamaske, der südkoreanische Rapper Psy ließ alle zu seinem „Gangnam Style“ tanzen, die Moskauer Band Pussy Riot zeigte, dass Pop noch politisch sein kann, und die US-Sängerin Lana del Rey feierte mit ihrem Retro-Sound Erfolge. Fotos: Universal/dpa/nh

Das Pop-Jahr endete mit einem Rekord: Vorige Woche knackte der südkoreanische Rapper Psy mit dem Musikvideo zu seinem Hit „Gangnam Style“ als erster Clip die Marke von einer Milliarde Klicks bei Youtube.

Das ist schon deshalb überraschend, weil einem der Dancetrack bereits nach dem ersten Hören auf die Nerven ging. Und trotzdem tanzten sogar Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der chinesische Kunst-Star Ai Weiwei zu dem Liedchen. Pop hat 2012 noch mehr Erstaunliches geschafft. Wir fassen das Jahr in vier Thesen zusammen und stellen eine Frage, die vermutlich erst später beantwortet werden kann.

Deutscher Rap ist nicht mehr böse: 2012 war das Jahr des Pandas. Hinter der Tiermaske versteckt sich der bislang unbekannte Stuttgarter Rapper Cro, der mit „Easy“ einen Mega-Hit landete. So versucht Carlo Waibel, wie der 20-Jährige richtig heißt, sein Privatleben zu schützen. Vor allem aber ist das Tierfell ein Symbol für einen Machtwechsel im deutschen HipHop. Bislang gaben Brutalo-Rapper wie der Berliner Sido, der sich lang hinter einer Totenkopfmaske versteckte, den Ton an. Cros charmante Reime indes handeln von Freundschaft und Liebe.

Auch Cros Vorbilder Max Herre und Die Fantastischen Vier stiegen mit ihren Alben auf Platz eins der Charts ein. Der Proll Sido hingegen machte nur Schlagzeilen als Juror einer österreichischen Castingshow, wo er einen Journalisten vermöbelte und zwischenzeitlich entlassen wurde. Im deutschen Rap ist es wie im Märchen: Irgendwann siegt doch das Gute.

Deutscher Pop ist erfolgreicher denn je: Überhaupt haben die Musiker hierzulande ein gutes Jahr hinter sich. In den Top Ten der Album-Jahres-Charts sind gleich sieben nationale Künstler und Bands vertreten - ganz oben stehen Unheilig sowie Die Toten Hosen. Laut Udo Dahmen, Chef der Popakademie Baden-Württemberg, brauchen sich die heimischen Musiker international nicht mehr verstecken: „Den Konsumenten interessiert nicht so sehr, woher die Musik kommt. Sondern es geht darum: Gefällt mir das?“

Musik von gestern klingt auch heute gut: 2011 war der Retro-Soul der britischen Sängerin Adele das große Ding, und auch dieses Jahr orientierten sich junge Künstler an alten Helden. So feierten die US-Sängerin Lana del Rey („Video Games“) mit nostalgischem Sixties-Sound und die englische Band Mumford & Sons mit klassischem Folk weltweit Erfolge. Für den britischen Journalisten Simon Reynolds, dessen Buch „Retromania“ dieses Jahr auf Deutsch erschien, klingen viele Gruppen so, „wie Hipstamatic-Bilder aussehen“ – das sind Handy-Fotos, die mit Software-Filtern auf alt und cool getrimmt werden.

Die großen Stars werden kleiner: Bevor wir es vergessen bei all den jungen Namen, aber Robbie Williams und Madonna sahen mit ihren neuen Alben ziemlich alt aus. Die Königin des Pop fiel weniger durch ihre Musik als durch ihr Engagement für die russische Künstlerinnengruppe Pussy Riot auf. Die Musikerinnen der Punkrock-Band hatten in einer orthodoxen Kathedrale gegen die Allianz von russischem Staat und Kirche protestiert und waren daraufhin verhaftet worden. Schon lange war Pop nicht mehr so politisch.

Die Musik gehört – ja, wem eigentlich? Es war nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen im Pop-Geschäft. Überall wurde um das Urheberrecht und Ähnliches gestritten. Clubs zum Beispiel klagten über zu hohe Tarife der Verwertungsgesellschaft Gema. Die wiederum sorgte dafür, dass Youtube Videos sperren ließ. Auch Psys „Gangnam Style“ war hierzulande nicht zu sehen, was den Weltrekord jedoch nicht verhinderte. Und Musiker kritisierten die zu geringen Erlöse von Streaming-Diensten wie Spotify. Trotzdem gibt es Hoffnung im digitalen Musikzeitalter. Cro zum Beispiel wurde berühmt und reich, nachdem er seine Lieder kostenlos ins Netz gestellt hatte.

Von Matthias Lohr

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