US-Gangsta-Rap

Kendrick Lamar: Neuer HipHop-Superstar

Lieber ein Künstler als ein Gangster: Kendrick Lamar (25) erzählt auf seinem Album „Good Kid M.A.A.D City“ wie es ist, in einer der gefährlichsten Städte der USA aufzuwachsen. Fotos: ap

Schon das Cover seines Albums erzählt eine traurige Geschichte:  Es zeigt ihn als kleinen schwarzen Jungen auf dem Schoß eines Mannes, daneben sitzen zwei weitere Erwachsene. Alle drei haben einen schwarzen Balken über dem Gesicht.

Die drei Männer sind Lamars Großvater und zwei Onkel. Die beiden Onkel sitzen mittlerweile im Gefängnis.

Es hätte nicht viel gefehlt, und Lamar wäre heute ebenfalls im Knast. Er wuchs in Crompton 20 Kilometer südlich von Los Angeles auf. Die 94 000-Einwohner-Kommune ist berüchtigt für ihre Bandenkriege und gilt als eine der gefährlichsten Städte der USA. Es kommt nicht von ungefähr, dass HipHopper wie Dr. Dre und Ice Cube mit ihrer Gruppe N.W.A hier Mitte der 80er den Gangsta-Rap erfunden haben.

Zuletzt schien das Genre tot zu sein, doch Lamar hat ihm zu neuem Leben verholfen. Der 25-Jährige gilt als „neuer HipHop-Messias“ („Spex“) und „HipHop’s Next Superstar“, wie seine Plattenfirma Universal prophezeit. Tatsächlich ist Lamars Mayor-Label-Debüt „Good Kid M.A.A.D City“ das meistverkaufte Rap-Album des vorigen Jahres. Nicht nur in den USA feierten die Kritiker die zwölf Tracks als Meisterwerk.

Der kleine Kendrick mit seinen Onkeln: Das Album-Cover.

Die soulige Single „Good Kid“, auf der auch Pharrell Williams vom Produzenten-Kollektiv The Neptunes zu hören ist, wird gerade auch hier zu Lande ein Hit. Ansonsten ist „Good Kid M.A.A.D City“ jedoch keine leichte Kost. Das Album trägt den Untertitel „A Short Film By Kendrick Lamar“ und ist als Konzeptalbum angelegt über einen guten Jungen mit High-School-Abschluss in einer verrückten Stadt. Lamar erzählt seine Geschichte und die seiner Stadt. Es geht um Mädchen, für die man Autos klaut, um Drogen-Partys und sterbende Freunde.

Zu tiefen Bässen, psychedelischen Synthie-Flächen und nostalgischen Samples rappt Lamar in unterschiedlichen Stimmlagen. Dazu kommen kleine Audioschnipsel (Skits), in denen man seine Mutter auf dem Anrufbeantworter und seine Oma beim Gebet hört.

„Good Kid M.A.A.D City“ ist ein facettenreicher Entwicklungsroman. Lamar lernt, dass es besser ist, ein Künstler statt ein Gangster zu sein. „Jeder wird den Schützen respektieren, aber nur derjenige, der vor der Knarre steht, wird ewig leben“, heißt es pathetisch in „Money Trees“. Und im Stück „Real“ rappt Lamar: „Any nigga can kill a man. That don’t make you a real nigga.“ Töten, so Lamar, kann jeder, aber der wahre Wert ist es, sich um seine Familie zu kümmern.

Entdeckt und gefördert wurde Lamar von HipHop-Legende Dr. Dre. Große Namen als Gaststars braucht er jedoch nicht. Der Track, den er mit Superstar Lady Gaga aufnahm, hat es nicht einmal aufs Album geschafft. Auf diesen guten Jungen werden die Onkel im Knast stolz sein.

Von Matthias Lohr

Kendrick Lamar: Good Kid M.A.A.D City (Interscope/Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

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