Micky Maus feiert am 29. August 60 Jahre Kioskverkauf in Deutschland

"Schnüffel" - "Rumpel" - "Klatsch": 60 Jahre Micky Maus am Kiosk

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Micky Maus kommt nicht allein, auch seine Freunde sind in jeder Ausgabe mit dabei: (von links) Pluto, der Hund von Micky Maus, benannt nach dem Planeten, der 1930 entdeckt wurde, im gleichen Jahr, in dem Disney die Figur erfand. Außerdem Micky Maus’ bester Freund Goofy, Donald Duck und seine Verlobte Daisy Duck, Minni und ihr Freund Micky Maus.

Als die Micky Maus vor 60 Jahren nach Deutschland kam, rechneten viele mit dem Schlimmsten: Trivial die Comics, sprachlich minderwertig, also schädlich für die Entwicklung von Kindern. Vor dem Schundheft konnten Eltern und Pädagogen nur warnen.

Doch die Generationen, die mit dem Micky-Maus-Heft aufwuchsen, wissen es heute besser.

„Viele, die früher ,Micky Maus‘ gelesen haben, geben das gerne an ihre Kinder weiter“, sagt Peter Höpfner, Chefredakteur des „Micky Maus Magazin“. „Die Charaktere wachsen einem mit der Zeit ans Herz und viele Kinder lernen mit der ,Micky Maus‘ lesen.“

Als die „Micky Maus“ am 29. August 1951 zum ersten Mal erschien, musste man 75 Pfennige hinlegen. Heute zahlen Sammler für ein Exemplar der Erstausgabe bis zu 6000 Euro.

Alles begann damit, dass 1951 ein Vertreter der „Walt Disney Productions“ nach Stuttgart kam. Er war auf der Suche nach Leuten, die ein deutsches Micky-Maus-Heft für den neu gegründeten Ehapa Verlag machen. Er traf auf die Übersetzerin Erika Fuchs, die noch im selben Jahr die erste Chefredakteurin des „Micky Maus“-Magazins wurde.

In der DDR stand das Heft auf dem Index. Nicht zuletzt wegen einer geizigen Ente, die in vielen Geschichten eine Hauptrolle spielt: Dagobert Duck, der Prototyp eines Monopolkapitalisten, der am liebsten im Geld badet und am Ende meistens als strahlender Sieger dasteht.

Wie im Comic dreht sich auch im richtigen Leben alles ums Geld. Und da merkt man: Micky Maus kommt in die Jahre. In Zeiten von Internet und Spielkonsolen nimmt das Interesse am Mäuseleben ab. 1991 verkauften sich von einer Ausgabe rund 650.000 Exemplare, 2011 sind es nur noch 180.000. Ächz, seufz.

Chefredakteur Peter Höpfner

Der typische „Micky Maus“-Leser ist zwischen acht und 14 Jahre alt, männlich und sehr beschäftigt. „Es geht nicht nur um Geld, sondern auch ums Zeitbudget. Moderne Medien schöpfen Kindern sehr viel Zeit ab“, so Höpfner. Aber das Magazin will mitziehen: Auf seiner Internetseite gibt es ein virtuelles Entenhausen mit 200.000 Einwohnern, also Usern - ein Forum für alle Mausfans. Programme für Handy- und Tablet-Geräte seien geplant.

Auch im „echten“ Entenhausen, wo die Maus haust, ist das neue Zeitalter angebrochen. Vorbild für die Comics sind eigentlich Mode und Technik der 50er- und 60er-Jahre. In den vergangenen Jahren ist aber immer mehr Zeitgenössisches hinzugekommen. Micky surft im Internet, Donalds Neffen zocken an einer Spielkonsole, telefoniert wird aber noch mit Schnur und Wählscheibe, und Donald fährt ein Auto aus den 30er-Jahren - Nostalgie und Moderne nebeneinander.

„Kinder wollen in der Comicwelt die Dinge sehen, die sie kennen“, sagt Höpfner, dessen Sohn zufällig am gleichen Tag Geburtstag hat wie Micky Maus.

Maus und Enten

Fast alle Abenteuer der „Micky Maus“-Hefte spielen in Entenhausen – die Heimat sowohl von Donald Duck als auch von Micky Maus. Im US-Original leben Enten und Mäuse in zwei verschiedenen Städten: Duckburg und Mouston. In der deutschen Übersetzung gibt es nur eine Stadt. Auffällig ist aber, dass in Maus-Comics nie Dagoberts Geldspeicher zu sehen ist.

Enten und Mäuse haben auch ihre eigenen Figuren. Erfinder Daniel Düsentrieb taucht nur in den Abenteuern der Ducks auf, zu denen Dagobert Duck und seine Neffen Donald, Tick, Trick und Track zählen. Mickys Freundin Minni, sein Hund Pluto oder Freund Goofy tauchen wiederum nur in Mickys Welt auf. Dennoch kennen sich Maus und Ente gut. Crossovers – Comics, in denen beide aufeinander treffen – sind jedoch selten.

Das Heft und die Schund-Debatte

In den ersten Jahren nach der ersten deutschen „Micky Maus“-Ausgabe waren die Comics bei vielen Jugendschützern als Schundhefte verschrien. Der Jugendschriftenausschuss in Hof sah es so: „Die Verblödung, zu der die Comics führen durch ihr Stottern und Lallen, verschließt das Tor zum Sprechen und Denken.“ In einem Leserbrief schrieb ein Erwachsener: „Diese Bilder führen zu einer völligen Verflachung des Verstandes und einem Siechtum der geistigen Kräfte und der Fantasie.“ Doch das „Micky Maus“-Magazin hatte auch Fürsprecher.

„Wer als Erwachsener einmal gründlich seine Nase in ‚Micky Maus‘ hineinsteckt, wird feststellen, dass das Ende jeder Geschichte moralisch stets sauber ist. Die positive Wirkung dürfte oft stärker sein als bei so manchem Märchen aus Urgroßmutters Zeiten“, schrieb die Zeitung „Frankfurter Nachtausgabe“ im Mai 1959. Die Zeitung „Westfälische Post“ hielt das „Micky Maus“-Magazin für „eine der förderungswürdigsten Jugendzeitschriften“, die ihre Leser, indem sie sich selbst mit Zeichnen beschäftigen, zu kreativer Arbeit anregt.

Von Claudia Hempel

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