25 Jahre nach ihrem Hit „Buffalo Stance“: Neneh Cherry wird gefeiert

Sie hat Grund zum Strahlen: Die schwedische HipHopperin Neneh Cherry ist gerade 50 geworden und wird nun von einer Generation neu entdeckt, die ihre alten Hits nicht mehr kennt. Foto: Hiorthoy

Wenn überall frohlockt wird, Neneh Cherry ist wieder da, dann stimmt zumindest der Zeitpunkt nicht. Die 1964 in Stockholm geborene Stieftochter des Jazztrompeters Don Cherry und Tochter des afrikanischen Perkussionisten Ahmadu Jah hatte ihr Comeback bereits im Sommer 2012, nicht jetzt.

Zwar ist soeben „Blank Project“ erschienen, das Album, über das man derzeit in Superlativen spricht. Aber „The Cherry Thing“ zu vergessen, ist schon ein bisschen gemein.

So richtig berühmt wurde Cherry leider nicht bereits Anfang der Achtziger mit der tollen Londoner Postpunk-Funk-Band Rip Rig & Panic, sondern erst 1989 mit dem fluffigen und nicht ganz leicht einzuordnenden Hip-Pop-Knaller „Buffalo Stance“ sowie mit der Ballade „Manchild“. 1994 folgte ein eher klebriges Schmuseduett mit Youssou N’Dour namens „7 Seconds“, in dem die Künstler die ersten Augenblicke im Leben eines Menschen besangen.

Anders „The Cherry Thing“, das Neneh Cherry mit der genialen schwedisch-norwegischen Brachialkrach-Freejazzband The Thing einspielte: Ein Coverversionen-Album mit Songs von Suicide und den Stooges. Von der gemeinsamen Arbeit war Cherry hin und weg: „Es ist unglaublich, mit The Thing zu spielen. Für sie scheint das Musizieren eine Frage von Leben und Tod zu sein.“

Wieder ganz anders: „Blank Projekt“, das neue Ding. Ein cooles Album, gegen dessen Sound sich nichts sagen lässt, im Gegenteil. Wenn es überhaupt ein Problem gibt, dann vielleicht mit Neneh Cherrys etwas zu dünner Stimme, die einem in ihrer leicht meckrigen Scharfkantigkeit über eine Wegstrecke von zehn Stücken irgendwann durchaus auf den Keks gehen kann.

Auf „Out Of The Black“, das mit schleppendem Schlagzeug, lässiger Hook und Sprechgesang den Postpunk-Bands The Slits und ESG ziemlich smart Reverenz erweist, singt Neneh Cherry im Duett mit der Stockholmer Popsängerin Robyn. Mehr Gesangskörper - das hat was.

Als „pretty raw“ (schön rau) beschreibt Neneh Cherry „Blank Project“, ihr erstes Soloalbum seit 18 Jahren. Soloalbum stimmt freilich nicht so ganz, denn kollaboriert hat sie auch dieses Mal. Mit den Elektronikkraut-Musikern von RocketNumberNine, die vermutlich für die Synthies und das herrlich spröde Schlagzeug verantwortlich waren. Und mit Kieren Hebden alias Four Tet, auf dessen Konto die ungewohnt schlanke, knackige Produktion und die tiefen Bässe gehen dürften.

„Blank Projekt“ hat Soul und wird getragen von bloß scheinbar simpler Schönheit. Der Postpunk von Rip Rig & Panic steckt im Funk der Stücke. So schließt sich der Kreis zur Vergangenheit hin. Souveräne Sache.

Neneh Cherry: Blank Project (Smalltown Supersound / Rough Trade). Wertung: !!!!:

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