Mozarts „Figaro“ in Darmstadt kann nicht überzeugen

Wie vor 100 Jahren

Aufwühlender Moment: Susanne Serfling (Susanna) und Oleksandr Prytolyuk (Graf Almaviva). Foto:  Aumüller

Darmstadt. Wenig spektakulär eröffnete die Spielzeit im Staatstheater Darmstadt. Wolfgang Quetes inszeniert „Figaros Hochzeit“ auf der von Manfred Kaderk gestalteten kahlen Bühne. Die lahme Inszenierung macht deutlich, wie stark der Zahn der Zeit an Mozarts 1786 uraufgeführter Commedia per musica genagt hat.

Was an dem turbulenten Verwirrspiel bis heute fesselt, sind Mozarts zauberhafte Musik mit ihrer betörenden Melodik, die geschliffene Orchesterpartitur, genaue Charakterisierung der Personen und die gesellschaftlichen Zustände kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution.

Auf der Bühne des Großen Hauses läuft jedoch eine Inszenierung, die vor 100 Jahren wohl kaum anders ausgesehen haben dürfte. Quetes setzt auf ein gemächliches Nacheinander, das im spannungslosen ersten Akt nur ermüdet. An Substanz und Farbe gewinnt die Aufführung erst nach der Pause, doch die ewigen Kratzfüße langweilen.

Es fehlt an einer eigenwilligen Handschrift, die diesem tollen Tag des liebesgeilen Grafen Gewicht verleiht. Der Aufstand der unteren Klasse gegen die Aristokratie wirkt in Darmstadt beiläufig und überzeugt nicht.

Mit dem Bariton Oleksandr Prytolyuk steht der Regie ein schnöseliger, aber stimmsicherer Graf zur Verfügung, der glatt übertölpelt wird. Zum großen Casanova fehlt ihm freilich die Ausstrahlung. Die hat auch der Bassbariton Kihwan Sim als umtriebiger Figaro nicht. Susanne Serfling besticht mit strahlendem Sopran, Kammerkatzen-Geschmeidigkeit und Spiellust als Drahtzieherin Susanna.

Das unter Leitung Martin Lukas Meisters spielende Staatsorchester erfreute zwar mit Farbenreichtum, doch ließen in der italienisch gesungenen Aufführung die Einsätze der Bläser wie die Koordination zwischen Bühne und Graben manchen Wunsch offen. Starker Premierenbeifall.

Nächste Aufführungen am 18. und 29.9. Tel. 06151/ 2811600.

Von Britta Steiner-Rinneberg

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