Tragischer Held der Generation X

Vor 20 Jahren erschoss sich Kurt Cobain (Nirvana)

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Ikone des Grunge: US-Musiker Kurt Cobain (1967-1994).

Damon Albarn, Sänger der britischen Band Blur, ist sich sicher: „Hätte Kurt Cobain Fußball gespielt, er wäre noch am Leben.“ Cobain war nun aber nicht Stürmer bei Arsenal London, sondern Sänger und Gitarrist der US-Band Nirvana.

Heute vor 20 Jahren, am 5. April 1994, spritzte sich der damals 27-Jährige in seinem Haus in der Nähe von Seattle zum letzten Mal Heroin und erschoss sich mit einer Schrotflinte.

In seinem Abschiedsbrief zitierte Cobain Neil Young: „Es ist besser auszubrennen als zu verwelken.“ Der Familienvater starb den Rockstartod. Der Club 27, jene Vereinigung von Musikstars, die mit 27 gestorben waren wie Jim Morrison und Janis Joplin, hatte ein weiteres Mitglied. Seitdem ist Cobain unsterblich.

2006 löste er Elvis Presley an der Spitze der Liste der „am besten verdienenden Toten“ ab. Demnächst wird seine Band Nirvana in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – 25 Jahre nach der ersten Single. Die war weit entfernt von einem Meilenstein.

Dafür sorgten Cobain, Bassist Krist Novoselic und Schlagzeuger Dave Grohl 1991 für ein Erdbeben. Als Poser-Bands wie Bon Jovi den Ton angaben, läutete ihr zweites Album „Nevermind“ die bislang letzte Revolution des Rock ein. Ihr Grunge vereinte die Wucht des Metal mit den Melodien des Pop und der Wut des Punk.

Der geniale Songschreiber Cobain lieferte den Soundtrack für die Generation X, jene 20- bis 30-Jährigen, die nie den Wohlstand ihrer Eltern erreichen würden. Flanellhemden und zerrissene Jeans wurden Mode, alternative Musik und Lebensformen konsensfähig.

Letztlich ist das depressive Scheidungskind Cobain an seinem Erfolg zerbrochen. Cobain wetterte gegen den „kapitalistischen Moloch“ und wollte – zumindest später – nicht als Ikone gesehen werden. Das Album „In Utero“ (1993) zeugt von diesem Konflikt: Es ist eine einzige Lärmwüste, wurde aber zum Nummer-eins-Hit.

20 Jahre nach Cobains Tod wird in seiner Heimatstadt Aberdeen (Washington) eine Statue aufgestellt. Angefertigt wurde sie bereits 1994, aber damals galt der Tote als Junkie, der seine Frau Courtney Love und seine Tochter im Stich ließ. Heute wird er als letzter großer Rockstar gefeiert.

Von Matthias Lohr

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