Solokonzert im Kulturzelt

Jake Bugg in Kassel: Ein Mann, eine Gitarre

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Unprätentiös-freundlicher Auftritt: Jake Bugg bei seinem Kasseler Solo-Akustik-Konzert. 

Kassel. Schon mit 18 machte der Brite Jake Bugg musikalisch auf sich aufmerksam. Sechs Jahre und vier Alben später kam der 24-Jährige Singer-Songwriter zu einem Solokonzert nach Kassel. 

Ziemlich bald nach Beginn seines fabelhaften Auftritts am Mittwochabend im vollen, aber nicht ausverkauften Kulturzelt wunderte sich Jake Bugg, warum es so ruhig sei. Er komme aus England, und da seien die Leute laut.

Mit Desinteresse hatte diese Stille nichts zu tun. Vielmehr war das wunderbar aufmerksame Publikum konzentriert, ja in einen Bann gezogen. Es staunte vermutlich auch über diesen jungen Burschen, der bereits 2011/12 wie ein Komet am britischen Indie-Folkrock-Himmel erschienen war, über all das, was er seinen wechselnden Gitarren entlockte, versonnen und versponnen, aber dann auch mit Tempoverschärfungen. Über seine Fingerfertigkeit und die Schnelligkeit, mit der er die Hände über die Saiten wandern ließ. Und auch über jegliche Abwesenheit von Allüren.

Er selbst, lächelte Bugg, finde ja Solo-Gitarristen langweilig, aber das waren die eineinhalb Stunden so gar nicht.

Man konnte nachvollziehen, dass die Kulturzelt-Macher das im Nottinghamer Stadtteil Clifton aufgewachsene Wunderkind unbedingt nach Kassel holen wollten, das bis hin zur pilzkopfähnlichen Wuschelfrisur so fest in der Beatles-Oasis-Britpop-Traditionskette verankert schien.

Vor sechs Jahren war der erst 18-Jährige während der Olympischen Spiele in London bei einem Überraschungskonzert als Support für die Stone Roses aufgetreten, seine vorgestern zum Schluss bejubelte Single „Lightning Bolt“ wurde als Hommage an Sprinter Usain Bolt eingespielt. Aus den bereits vier seither erschienenen Alben – zum dritten ging er in seinen kurzen Ansagen auf Distanz – mixte er, den Blick oft auf den Ablaufplan am Boden gerichtet, das Programm. Beim Singen hingegen hatte er, die Augen stets fast geschlossen, den Kopf schräg nach oben geneigt.

Natürlich gab es die mit Johlen und Pfiffen begleiteten bekanntesten Titel wie „Country Song“ oder „Broken“. Wie das populäre „Waiting“ von der jüngsten Platte „Hearts That Strain“. Bei der ging ihm Dan Auerbach von den Black Keys zur Hand. Und – auf Zuruf – das Johnny-Cash-Cover „Folsom Prison Blues“. Stimmlich konnte Bugg da nicht mit dem Original konkurrieren. Wenn der 24-Jährige seine eigenwillige, mächtige Stimme, mit der er jede Silbe zu akzentuieren scheint, in die Höhe schraubt, jault er auch mal wie eine Lok in der Prärie.

Das Finale: unprätentiös wie der ganze Auftritt in Jeans und T-Shirt. Noch ein „Thank you“ in den letzten Takten, ein Winken, Abgang ohne Zugabe.

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