HNA-Meinung

James-Bond-Premiere in Berlin: Kritik zu "Skyfall"

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Bond-Hauptdarsteller: Daniel Craig.

Berlin. Der neue James Bond-Film "Skyfall" feiert am heutigen Dienstag um 19 Uhr in Berlin seine Deutschlandpremiere. Bettina Fraschke aus der HNA-Kulturredaktion hat das 007-Kinoabenteuer vorab gesehen - eine Kritik.

Wer prüft schon den Sitz der Manschettenknöpfe, wenn er auf einem dahinrasenden Zug zum nächsten Waggon klettert, um den Bösewicht zu stellen? Das macht nur einer. Und so einzigartig ist auch der lang erwartete neue Film mit ihm als Helden. Bond. James Bond.

„Skyfall“ ist die durch und durch gelungene Fortführung der erfolgreichsten Filmreihe der Welt. Sie hat alles, was ein Bond-Film haben muss – und leistet noch mehr: Regisseur Sam Mendes verpackt die spannungsreiche Handlung, die exotischen Schauplätze, Gefahr, Sex-Appeal und Lässigkeit in elegante, große Bilder. Sein Film gibt zudem den Hauptfiguren eine bisher nicht gekannte psychologische Tiefe.

Er führt 007 und seine Chefin M (Judi Dench) an ihre Belastungsgrenzen – körperlich wie psychisch. Und er übertrifft die Erwartungen an jeden neuen Bond-Film: Die Konstanten des Kultes zu bedienen (Casinobesuch, geschüttelter Martini, unglaubliche Befreiungsaktionen, aufregende Girls), aber auch einen fest in der Gegenwart verankerten Konflikt aufzubauen.

Bettina Fraschke über den neuen Bond-Film "Skyfall".

In Istanbul wird eine Speicherplatte gestohlen, auf der die echten Namen von V-Leuten abgespeichert sind, die in Terrororganisationenarbeiten. Der Angreifer stellt einige online und bringt sie in Lebensgefahr. Eine Katastrophe für M, deren Behörde durch dieses Cyberattentat auch politisch unter Druck gerät. Der Chefin wird der Rücktritt nahegelegt, die Notwendigkeit ihrer Institution grundsätzlich infrage gestellt.

Und Bond? Ist abgeschossen vom rasenden Zug. M hat ihre Mitarbeiterin Eve (Naomie Harris) angewiesen, auf seinen Kampfgegner zu zielen, um die Festplatte zu retten. Im Tumult trifft der Schuss den Falschen. Vom Zugdach stürzt der Topspion metertief in eine Schlucht. Sicherlich mit korrekt sitzenden Manschetten, aber nun rechnet keiner mehr mit dem Doppelnullagenten. Und der muss die Kränkung verknusen, dass die Chefin ihn opfern wollte und seinen Tod in Kauf nimmt. Er taucht unter. Bis M ihn braucht, und 007 wieder aufbricht für den Dienst am Vaterland – anfangs noch ziemlich angeschlagen.

Bilderstrecke: Fotos von der Weltpremiere in London

"Skyfall"-Premiere: Superstars und königlicher Glanz

„Skyfall“ findet einen stimmigen Rhythmus von Action und (überraschend viel) Ruhe. Traut sich fast kitschig schöne Bilder, etwa von Hunderten Papierlampions, die auf dem Wasser schwimmen, während Bonds Boot ins chinesische Casino gleitet.

Und er hat einen Schurken, der zu den dämonischsten gehört, die in der Bond-Welt je ihr Unwesen getrieben haben: Javier Bardem ist als erblondeter Silva nicht nur so versiert im Computerhacking, dass der MI6 lange das Nachsehen hat. Er ist auch von einer unbändigen Kraft angetrieben: persönliche Rache an M. Das macht ihn so gefährlich.

Um Silva zu fassen, müssen zwei Gegenspieler zusammenarbeiten, die das Filmanliegen aufs Schönste illustrieren: Bond und Q. Ben Whishaw („Das Parfum“) gibt dem zurückgekehrten Technikmeister Q eine souveräne Nerd-Ausstrahlung. Q fragt zunächst ziemlich despektierlich, ob unsere digitale Welt mit ihren Überwachungsmöglichkeiten überhaupt noch geheime Frontkämpfer braucht. Der Film „Skyfall“ gibt darauf 143 Minuten lang die überzeugende Antwort.

Am Donnerstag, 1. November, kommt der Bond-Film in Deutschland in die Kinos.

Mehr zum neuen Bond-Film lesen Sie auch in der Mittwochsausgabe der HNA.

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