Wir haben im März mit dem Künstler gesprochen

Archivinterview mit James Last: "Es ist Zeit kürzerzutreten"

1975 zeigte Last Goldene Schallplatten und andere Auszeichnungen dem Fotografen.

Mehr als 60 Jahre stand James Last auf der Bühne, bevor er am Dienstag in Florida im Alter von 86 Jahren verstarb. Wir haben noch im März ein Interview mit dem nun verstorbenen Künstler geführt. Das hat uns Last, der 1929 als Hans Last in Bremen geboren wurde, damals erzählt:

James Last: Hallo, guten Tag, Thomas. Wir bleiben beim Vornamen, das ist einfacher.

Was soll ich denn sagen: Hansi oder James? 

Last: Kommt drauf an, was du fragst. Das Verrückte: In den USA sagen die Leute Hansi zu mir, hier James.

Hansi, wie viele Titel hast du produziert? 

Last: Etwa 3000 allein für das Plattenlabel Universal. Es mögen 6000 Arrangements sein, die ich gemacht habe.

Ist das wirklich deine Abschiedstournee? 

Last: Klar, es ist ja ein riesiges Unternehmen mit den 24 Konzerten. Meine Operation letzten Herbst hat mich nachdenklich gemacht. Es ist Zeit, kürzerzutreten. Ich muss ja nicht ganz von der Bühne gehen.

Wie bist du zur Musik gekommen? 

Last: Die Familie spielte eine große Rolle. Ich war der Jüngste. Mein Vater war Musiker, meine Brüder machten Musik, mussten aber in einem Rüstungsbetrieb arbeiten. Ich besuchte die einzige noch offene Musikschule, die Heeresmusikschule. Es war eine klassische Musikausbildung. Die Vorstellung meiner Eltern war, dass ich mit 28 Jahren ein Symphonieorchester leiten sollte. Musik hat mir immer Spaß gemacht. Manchmal haben wir für fünf Mark die ganze Nacht irgendwo gespielt.

Deine Wurzeln liegen im Jazz. Das war problematisch während der NS-Zeit. 

Last: In der Musikschule haben wir am Abend amerikanischen Titel gespielt. Den Notenblättern haben wir deutsche Titel gegeben. Ich höre noch sehr gern Jazz.

Ist es dein Talent, auch komplexe, klassische Stücke massentauglich zu machen? 

Last: Ich kann es aufschreiben, so wie es mir gefällt. Das können nicht alle. Und ich kann die Stücke und das Gefühl an die Musiker weitergeben. Wir haben auch klassische Musik hörbar gemacht für Leute, die sich diese Musik sonst nie angehört hätten.

Die Kritiker sind heute netter zu dir als früher. 

Last: Sie haben sich an die Musik gewöhnt. Die Kritiker haben meine Musik als Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik bezeichnet. Das hat mich nicht wirklich getroffen: Ich bin so, wie ich bin. So schlecht ist das nicht, wenn Millionen Leute von China über Russland bis Spanien das immer gern gehört haben. Dann können die Kritiker sagen, was sie wollen. Das ist mir wurscht.

Bestand nie die Gefahr, ob des Erfolges abzuheben? 

Last: Nein, warum sollte ich verrücktspielen? Ich weiß ja, wo ich herkomme.

In den 70ern, der Zeit der Partykeller, stand fast in jedem Plattenständer eine James-Last-Platte, bunt mit dem poppigen Schattenschriftzug. 

Last: Das waren Platten, wie es sie heute in Diskos gibt: eine Seite am Stück Musik. Du konntest die „Non-Stop-Dancing“ auflegen, und selbst bei langweiligen Partys war sofort Stimmung. Diese Begeisterung überrascht mich noch heute.

Welche Musiker haben dich geprägt? 

Last: Elvis natürlich. Er hat sogar Stücke von mir gesungen. Die hab ich damals in seinem Büro für ihn abgegeben. Und die Beatles: geniale Typen mit genialen zeitlosen Songs. Sie waren auch der Grund für mich, beim NDR aus dem Musiker-Beamtentum auszusteigen. Ich wollte kein Musikdirektor in einer Verwaltung mit festem Tagesablauf und Kantinenessen sein.

Du hast auch eine technische Revolution durchlebt.

Last: Früher habe ich mit Bleistift die Noten gezeichnet, jetzt arbeite ich am Computer. Manche Leute haben am Fortschritt immer was zu meckern. Doch was neu ist, bringt Zukunft, da muss man mitmachen. Neues ist besser.

Wie bist du aus der Pleite als Opfer von Abzockgeschäften herausgekommen? 

Last: Ich habe mich berappelt und weitergemacht.

Hansi, hast du eigentlich noch Wünsche? 

Last: Wir machen jetzt die Tournee. Das reicht erst mal. Ich lebe im Heute.

James Last wurde geboren am 17. April 1929 in Bremen als Hans Last, gestorben ist er am 9. Juni 2015 im Alter von 86 Jahren in Florida (USA).

Ausbildung: an der Heeresmusikschule Frankfurt.

Karriere: Mit seinem 40-köpfigen Orchester prägte Last das Genre Easy Listening und erfand den Happy Sound mit. Er nahm fast 400 Alben auf - davon 80 innerhalb von fünf Jahren. Zeitweise war er für 30 Prozent der Plattenverkäufe von Polydor Deutschland verantwortlich.

Privates: Last lebte mit seiner zweiten Frau, der 30 Jahre jüngeren Christine Grundner, in Hamburg und Florida. Die Vermögensberaterin kümmerte sich um sein Geld, nachdem ein Steuerberater Last vor Jahren zu Geschäften mit kalifornischen Getreidefeldern geraten hatte, die ihm 15 Millionen D-Mark Verlust bescherten. Seine erste Frau starb 1997.

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