Die Chaos-Bläser „Blassportgruppe Südwest“ im Schlachthof

Jazz am Ballermann

Chaostruppe im Trainingsanzug: Die Blassportgruppe Südwest beim Auftritt im Schlachthof. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Dass es einer Band, die sich Blassportgruppe Südwest nennt, nicht nur um das Musikmachen geht, sondern auch um jede Menge schräge Unterhaltung, liegt nahe. Schon der erste Blick Richtung Bühne bestätigte das: Zehn Gestalten in modisch abwegigen Trainingsanzügen schunkelten und taumelten sich in Stimmung, während sie ihre Instrumente malträtierten. Ein Bild, wie das Klischee der Aufstiegsfeier eines Dorffußballvereins.

Die Party im Kulturzentrum Schlachthof konnte beginnen. Auch das erste Lied passte dazu. Der Refrain: „Ich weiß genau, ich bin superblau.“ Als Nächstes etwas aus der Nostalgieschublade: Das My-Fair-Lady-Stück „In der Straße wohnst Du“. Auffallend: Gesang und der Text von Sänger und Frontmann Tobias Christl orientierten sich am Original, die Musik jedoch konnte man für einen Angriff darauf halten. Einen, der mitreißt.

Peitschende Bläsersätze und funkige Rhythmen bestimmten den Sound. Für das Zwerchfell sorgte einer der Musiker, indem er so tat, als würde er Geige mit einem Suppenlöffel spielen. Man könnte es Stilmittel nennen, was die Mannheimer Spaßfraktion da verquickt: Mitreißende und auf hohem Niveau arrangierte und zelebrierte Musik aus Jazz- und Funk-Elementen paart sich mit uriger Ballermann-Stimmung. Auch die Soli, die vornehmlich von den Trompetern Christoph Moschberger und Alex Hartmann oder von Saxofonkämpfer Axel Müller kommen, sind expressive Spitzenklasse.

Das Programm der Chaos-Combo ist voll von Ohrenbeißern aus dem Pop- und Schlagerland. Nur klingen sie musikalisch eben völlig anders als bekannt. Musical-Oldtimer bekommen einen groovenden Porschemotor, Grönemeyers Bochum-Hymne wird zu einem Pop-Punk-Melodram, und Rio Reisers „Junimond“ wird schräg wie ein Oktoberfestlied intoniert. Die gute Stimmung der 70 Besucher erreichte Höchstwerte.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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