Der Autor Jamal Tuschick und der Musiker Berthold Mayrhofer mit gelungenem Wechselspiel im tif

Jazz-Bass zum Eis im Café Lange

Erinnern sich an das alte Kassel: Jamal Tuschick (links) und Berthold Mayrhofer im Tif. Foto: Fischer

Kassel. Der eine sitzt auf einem Barhocker an einem Stehtisch. Die Lesebrille auf, den Roman vor der Nase. Ein paar Schritte weiter wartet der andere Akteur des Abends. Auch er wird erzählen. Ohne Vorlage, aber mit der Kreativität und Fantasie eines Kontrabassisten, der sein Instrument sprechen lässt.

Jamal Tuschick und Berthold Mayrhofer: ein Autor und ein Musiker im Wechselspiel. Eine interessante Konstellation für einen gemeinsamen Bühnenabend, den am Mittwoch der Förderverein Kasseler Jazzmusik knapp 40 Besuchern im Tif präsentierte. Tuschick und Mayrhofer kennen sich seit ihrer Schulzeit an der Herderschule in Kassel.

Der Titel des Auftritts: „Kattenbeat – Jazz & Prosa“. Tuschick liest aus dem ersten Teil seines gleichnamigen Romans. Mayrhofer lässt sich von den Stimmungsbildern inspirieren und improvisiert dazu.

Mit Hingabe tut er das, facettenreich, verwächst mit seinem Instrument und seinen Lautmalereien zu einer Einheit. Ein Mensch mit Namen Kran steht im Mittelpunkt von Tuschicks Geschichte – und dazu Kassel, besonders die Stadtteile Bettenhausen und Waldau, ihre Entwicklung und Veränderung seit den Nachkriegsjahren. Dieser Kran ist ein Mensch des Rückblicks. Einer zwischen Protest und Anpassung. Einer, dessen Leben, nun nachdem er in die Jahre gekommen ist, aus Pragmatismus und Grautönen besteht: „Dahin ist der jugendliche Leichtsinn.“

Er ist ein widersprüchlicher Charakter – „ich quatsche gern Leute an, das macht man nämlich nicht“ –, zersplittert in sich selbst, zersplittert in Erinnerungen, die ihn immer wieder das Nachkriegs-Kassel mit dem heutigen vergleichen lassen: „Die hessische Landesgeschichte ist meine Domäne.“ Die Besucher erfahren viel über Kassel, wie es war.

Über Kran selbst? Nur Splitter: „Schon als Junge habe ich im Café Lange Eis bekommen.“ Und Mayrhofer? Der spielt und spielt. Mal, als könne er Krans Welt auch in sich fühlen, mal, als setze er lieber auf die eigene – beides mit viel Tiefgang und Spielkunst. Viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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