Die Kasseler Formation Maximalbasis überzeugte im Theaterstübchen

Jazz aus dem Bauch heraus

Geben Vollgas mit intelligenter Spielkultur: Philip Wipfler am Kontrabass und Saxofonist Thomas Tkacz beim Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Auch Selbstgestricktes kann prima Jazz-Muster ergeben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kasseler Formation Maximalbasis, die sich am Dienstag im Theaterstübchen präsentierte. Kreativität, Improvisationsfreude und eloquente Vielseitigkeit zeichnen ihre Musik aus.

Sanftes paart sich da mit Wuchtigem, Exzentrisches mit Besinnlichem. Es dominiert die ungebremste Freiheit, mal nur aus dem Bauch heraus seinen persönlichen Jazz zu spielen.

Und wenn an den Kreuzungen zwischen traditionellem Jazz und den eigenen Plänen die rote Ampel blinkt, dann stellen Thomas Tkacz (Saxofon), Philip Wipfler (Kontrabass) und Robert Pfaff (Schlagzeug) ihren Fuß erst recht aufs Gaspedal, und das mit großer Spielfreude und intelligenter Spielkultur.

Schade, dass nur 25 Besucher gekommen waren. Die Musiker hatten viel zu erzählen. Und man hörte ihnen gern zu. Los ging es mit einem Stück, das den witzigen Titel „Blues für Nervöse“ trägt. Auch das ist eine Art Markenzeichen dieser Band. Nahezu alle Titel klingen, als könnten sie aus einem Kabarettprogramm stammen. Ein anderes heißt „Last Minute Ballade“. Hier wird Purismus gepflegt und es darf ein bisschen geträumt werden - andächtig abgebremste Laufwege auf dem Bass, verspielte Melancholie vom Saxofon. Nahtlos knüpft sich daran ein quecksilbriges Stück mit dem Titel „Kicher-Erbsen-Suppe“ an.

Die Musik der Band lebt von einer Fülle an Spannungs- und Themenwechseln und lässt den Musikern viel Raum für tolle Soli. Das gilt für Kontrabassist Philip Wipfler, der mit einem beträchtlichen Spiel-Repertoire seinen dicken Saiten viele Farben abgewann und dabei sein Instrument so hingegeben in den Armen hielt, als sei es seine Braut. Das gilt für Thomas Tkacz, der sein Saxofonspiel zwischen kreischender Lautmalerei und kuschligen Streicheleinheiten variierte und immer wieder den „geilen“ Ton traf. Das gilt auch für Schlagzeuger Robert Pfaff, der sich gekonnt zwischen Gasgeben, Nuancieren und feinem Taktgefühl bewegte. Viel Applaus, eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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