Silje Nergaard begeisterte bei ihrem Konzert im Kasseler Kulturzelt

Jazz-Elfe aus Norwegen

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Grenzgängerin zwischen Pop und Jazz: Silje Nergaard entrückte das Publikum mühelos mit ihrem faszinierenden Jazz-Sound. 

Kassel. Vielleicht sehen so moderne Elfen aus. In einem weißen Minikleid aus Spitze hockt sie auf dem Barhocker, streckt ihre Beine zum Publikum hin, hält das Mikro wie eine kostbare Blume in der Hand und singt vokale Einsamkeitsschleifen in die Luft.

Im blau getönten Licht entstand selbst im Kasseler Kulturzelt eine melancholische Lounge-Atmosphäre. Silje Nergaard schaffte bei ihrem Auftritt am Freitagabend kompromisslose Intimität, der Stoff, aus dem die Träume sind.

Die junge Norwegerin mit dem blonden Sex-Appeal ist zum fünften Mal in Kassel und hat hier längst eine große Fangemeinde erobert. Entdeckt wurde die Jazzvokalistin von keinem anderen als Pat Metheny. Das war damals in London, als sie auszog, Popstar zu werden, wie sie belustigt ins Publikum plauderte. Inzwischen ist die Nergaard mit ihrer weichen, lichten Stimme, ihrem Changieren zwischen Pop und Jazz selbst längst zum Namen geworden.

Mit ihren beiden hochkarätigen Gitarren-Künstlern Håvar Bendiksen und Hallgrim Bratberg, die im Spiel auf unnachahmliche Weise korrespondieren und dialogisieren, lässt die Jazz-Vokalistin lasziv-bluesige Melodien im nicht ausverkauften Zelt swingen: Mit ihren selbst geschriebenen Songs wie dem melancholischen „Japanese Blue“ oder dem besonders jazzigen „Shame on you“ schmeichelt sich ihre Stimme in die Herzen des Publikums und zeigt mit ihren zwei Musikern beim funky „Traffic Jam“, dass sie auch mit Humor und Witz punkten kann: Aufheulende Motorgeräusche enden dann im tuckernden Klopfen des Sounds. „Stau“ rufen die Musiker ins Publikum, das die hinreißende Performance mit Lachen quittiert.

Die Nergaard kann’s: Eben auch die Kommunikation mit ihren Zuhörern herzustellen, sie mitzunehmen auf eine Reise, die vor allem Herzensangelegenheit ist. Dann erschließen sich auch ganz nebenbei ihre in Norwegisch geschriebenen Songs und bekannte Coverversionen wie „Dream a Little Dream of Me“ von The Mamas and the Papas oder ihr rasant vorgetragenes „Black or White“ von Michael Jackson. Dass die Stimme der Norwegerin dabei stets ihren eigenen Formwillen wahrt und zu überraschenden Wendungen findet, lässt ihre Musik verführerisch glitzern.

Wie sagte sie zu Beginn mit zauberhaftem Jungmädchen-Lächeln: „Wir haben für euch die schönsten Melodien aus den CDs ausgesucht.“ Das hat sie wirklich, und wenn sie zum Schluss in die Hocke geht und mit angewinkelten Beinen in die Luft springt wie ein Rockstar, ist das einfach spielerisch, leicht, bezaubernd. Stürmischer Applaus, zwei Zugaben, und hoffentlich bis zum nächsten Jahr im Kasseler Kulturzelt.

Von Juliane Sattler

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