Jazz-Event: Edgar-Knecht-Trio und Akkordeonist Jean-Louis Matinier

Draufgänger am Flügel: Der Kasseler Jazzpianist Edgar Knecht. Fotos: Fischer

Kassel. Am Klavier begann Edgar Knecht am Donnerstag sein Konzert mit einem auf  virtuose Steigerung angelegten Solo – bärenstarker Auftakt zu dem Stück „Nachttraum“.

Der Kasseler Jazzpianist eröffnete damit einen ganz besonderen Abend: Erstmals spielte mit dem Edgar-Knecht-Trio eine einheimische Jazzformation im voll besetzten Opernhaus - das Wagnis, das Theaterstübchen-Macher Markus Knierim als Veranstalter eingegangen war, hatte sich gelohnt. Dass Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann als Gastgeber vor dem Konzert mit dem Satz „Satire darf alles, außer sterben - Wir sind Charlie“ an den schrecklichen Anschlag auf die Pariser Zeitung „Charlie Hebdo“ erinnerte, war umso angebrachter, als das Edgar-Knecht-Trio mit einem prominenten Gast aus Paris auftrat: dem Akkordeonisten Jean-Louis Matinier.

Fast schüchtern wirkte der freundliche Musiker mit Rainer-Langhans-Frisur zunächst, und zum ersten Stück „Nachttraum“, einem Titel aus Knechts 2013 erschienenem Album „Dance On Deep Waters“, steuerte er kaum mehr als ein paar sehnsuchtsvolle Klangfarben seines Knopfakkordeons bei.

Seine Gastrolle behielt Matinier im gesamten Programm bei, das aus den erfolgreichen Titeln bestand, die Edgar Knecht und Bassist Rolf Dene-cke auf der Basis von Volksliedern entwickelt haben. Doch Matinier zeigte sich zunehmend mehr. In „Fenjas Lullaby“, einem Stück über das Lied „Die Blümelein sie schlafen“, stieg er solistisch mit Feinsinn ein und faszinierte mit seinem rhythmisch freien und harmonisch einfallsreichen Spiel. In „Lilofee“, dem Titelstück von Knechts Vorgänger-CD, wetteiferte er im Unisono mit dem Klavier und spielte sich mit Knecht die Bälle zu.

Dabei könnten beide Musiker unterschiedlicher kaum sein. Hier der draufgängerische, rhythmisch stets geradlinige Knecht, der an Virtuosität gern eine Schippe drauflegt, dort der rhythmisch freiere, es oft auch mal bei Andeutungen belassende Matinier, der gelegentlich vom massiv auftrumpfenden Trio übertönt wurde. Gern hätte man diesen außergewöhnlichen Musiker auch mit einem Solostück erlebt.

Mit feinen Soloeinlagen machten auch der souveräne Bassist Rolf Denecke und Schlagzeuger Tobias Schulte auf sich aufmerksam. Vor allem Schulte ist nicht nur der erstklassige Energiespender der Formation, sondern ein Drummer mit unglaublicher Raffinesse, selbst wenn er nur mit bloßen Händen auf seine Schenkel klopft.

Nach knapp drei Stunden waren alle euphorisiert - die Musiker ebenso wie das mit Standing Ovations applaudierende Publikum.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.