Jazz-Höhepunkte im Kasseler Kulturzelt

Johanna Borchert

Zwischen Akkordeon und Neo-Soul: Im Kasseler Kulturzelt können Jazz-Fans diese Saison einige Perlen entdecken. Am 6. August gibt es sogar drei Konzerte an einem Abend. Unser Überblick.

Egal, wie laut es wird, zu Beginn jedes Konzerts gibt es einen ganz stillen Moment. Jegliche Bewegung kommt zur Ruhe, die Gespräche und das übliche Herumgeraschel verstummen. Die Musiker stehen spielbereit auf der Bühne und holen noch einmal tief Luft -genau parallel mit den Besuchern im Saal. Dieser Gleichklang gibt dem Konzert genau den Energieschub, der beide Seiten beflügelt.

Wohin dann die gemeinsame Klangreise geht, ist immer wieder ein Abenteuer, gerade bei noch weniger bekannten Künstlern, deren Stil man noch nicht so kennt. Diese gibt es auch jedes Jahr im Kasseler Kulturzelt zu entdecken. In den 30 Jahren seines Bestehens hat das beliebte Sommerfestival beim Publikum so ein Vertrauen aufgebaut, dass die Besucher gern auch Künstler entdecken mögen. Etwa José James (14. Juli) oder Johanna Borchert, Omer Klein und Peirani & Parisien, die am 6. August auftreten.

Johanna Borchert 

Wer das ist: Eine Berliner Klangtüftlerin, die zwischen Jazzkneipe und dem Technoclub Berghain pendelt. Kastanienrotes Haar, Pianokünstlerin, Stimme, die an Björk erinnert. Jahrgang 1983, studierte Jazzklavier und -Komposition in Berlin und Kopenhagen.

Ihre Klangwelt: Mit Samples arbeitet sie zwar auch, experimentiert aber auch ganz mechanisch mit Klavierklängen, indem sie bei einem Konzert etwa Kaugummistangen zwischen die Saiten steckt. Ihr preisgekröntes Album „FM Biography“ ist wie ein gesungenes Roadmovie mit grandiosen Textzeilen, wo sie feststellt, die Nacht schmecke nach Arsen und Minze. Eine pluckernde Soundcollage ist „Soulmates“. Manchmal weht, wie in „Desert Road“, ein geheimnisvoller Blasinstrumentenklang vorbei, und immer bleibt beim Hören das Gefühl, gerade in eine spannende, unbekannte Welt aufzubrechen.

Omer Klein

Wer das ist: Pianist, Jazzer aus Israel. Erste Echo Jazz Nominierung dieses Frühjahr für das Album „Fearless Friday“. 34 Jahre, Studium in Boston und New York, lebt in Deutschland.

Seine Klangwelt: In den klassischen Jazztrio-Sound mit Haggai Cohen-Milo (Bass) und Amir Bresler (Drums) mischen sich orientalische Harmonien, etwa bei „Yemen“, liedartigen Melodien („Shwaye Shwaye“) stehen klangliche Farbwechsel gegenüber, die zu Kleins leichtem Anschlag und irgendwie frech insistierendem Klavierton gut passen. Anspieltipp: „Calla Lily“ mit diesem immer neu ansetzenden Motiv.

Peirani & Parisien 

Wer das ist: Franzosen. Vincent Peirani (36) spielte bereits als Kind Akkordeon und erschließt heute neue Klangerlebnisse für den Jazz. Emile Parisien (33) war schon mit elf auf der Jazzschule. Beide preisgekrönt.

Ihre Klangwelt: Wie ihr aktueller Albumtitel sagt: „Belle Époche“. Das lässt die klanglich ja eigentlich sehr speziellen Instrumente akustisch miteinander verschmelzen. Jahrmarkt trifft Boogie.

José James 

Wer das ist: 38, aus Minneapolis, Bariton, mischt den Jazzgesang auf, meldet sich politisch-kritisch zu Wort

Seine Klangwelt: Es scheint, als sei er als Kind in den Zaubertrank gefallen: James beherrscht den Schmelz einer Billie Holiday ebenso wie Soul und Electrobeats, verbindet auf seinem Album „No Beginning No End“ Bläsersequenzen mit Dub und Neo-Soul.

Und sonst 

Spielen im Kulturzelt auch viele etablierte Jazzlieblinge: Nils Landgren, Triosence, John Scofield, Brad Mehldau, John McLaughlin.

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