Masha Bijlsma überzeugte zum Jazzfest-Auftakt im Schlachthof mit toller Stimme und feiner Band

Jazz, der in die Hüften geht

Jazz mit einem Lächeln: Masha Bijlsma begeisterte ihre Fans. Foto: Schoelzchen

Kassel. Kein roter Teppich, Schampus oder Prominentengerangel sorgten bei der Eröffnung des 19. Jazzfests Kassel im Kulturzentrum Schlachthof für kribbelnde Spannung. Stattdessen eine kurze Begrüßung durch Susanne Herrmann vom Förderverein Kasseler Jazzmusiker mit lapidaren Verweisen auf das Programmheft.

Dann wurden die Regler hochgeschoben für die erste Band. Dabei hat man doch für dieses Festival ein attraktives Line-up gebucht, das nach einer selbstbewussten und kreativen Präsentation verlangte. Hätten jetzt alle Gäste Tupperdosen herausgekramt, wäre das Image der Chatten-Provinz für alle Kassel-Nörgler wieder einmal bestätigt.

Eher professionell als provinziell ging es dann bei Masha Bijlsma und ihrem Quartett zur Sache - wobei man feststellen muss, dass sie zu den musikalischen Stammgästen Kassels zählt. Doch als vokales Topformat mit hohem Unterhaltungswert sind Konzerte von ihr immer ein Konsens jeglicher Ansprüche. Farbenprächtige Kopfbedeckungen sind ihr Markenzeichen, eine in jeder Silbe pulsierende Stimmvielfalt ihr Prädikat. Ihr Temperament verlangt nach einem Jazz, der an die Hüften appelliert, der trotz intellektueller Reife die Körperlichkeit, und damit die Ursprünglichkeit der Swingmusik, betont. Ein Jazz, der sie lächeln lässt, bei dem ihre blonden Haare durch die Luft wirbeln und sie dabei mit ihren Instrumentalisten ein Fass aufmacht.

Mal kraftvoll virtuos, aber auch subtil und leise bewegt sie sich zwischen fein arrangierter Exklusivität und wohlig Bekanntem. Ihre Verehrung für die kürzlich verstorbene Jazzdiva Abbey Lincoln hatte sie in mehreren Kompositionen verarbeitet, und so steckte viel Blues und Soul in dem Programm. Pianist Hans Kwakkermaat war ein würdiger Ersatz für den verhinderten Rob van den Broek. Er glänzte mit viel Sensibilität beim Zusammenspiel mit Bijlsma und auch bei den Improvisationen hatte er die richtige Gewürzmischung.

Das Solo des Abends gelang Kontrabassist Henk de Ligt. Einen modalen Untergrund bemalte er mit anspruchsvollen, aber gleichzeitig äußerst humorvollen Klanggrafiken, die er mimisch ausdrucksstark kommentierte.

Schlagzeuger Dries Bijlsma verzahnte sich perfekt mit allem, beließ es aber bei rhythmischer Transparenz und bekanntem Folienspiel. Die Summe aller Einzelbeiträge ergab ein schlüssiges und faszinierendes Gesamtbild, das vom Publikum mit viel Applaus belohnt wurde.

Von Andreas Köthe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.