Großartig: Paul Kuhn im Theaterstübchen Kassel

Als der Jazz melodisch war

Elektrisierend: Paul Kuhn und Sängerin Gaby Goldberg. Foto: Fischer

Kassel. Am Ende steht - wie Paul Kuhn es nennt, das „Vorspiel zum Vorspiel“: „Prelude to a Kiss“, der alte Ellington-Klassiker von 1938. Das war nicht nur eine schöne Pointe im ausverkauften Theaterstübchen, sondern auch eine Hommage an die Grenzenlosigkeit des Jazz.

Als wollte der 83-Jährige niemals aufhören, als wollte er, dass es immer so weiterginge mit dem alten Jazz und dem Swing der goldenen Ära der 30er- und 40er-Jahre.

Natürlich spielt er das Stück nicht einfach nach. Nein, er macht daraus eine beschwingt-lässige Samba-Nummer. Mit von der Partie: Martin Gjakonovski am Bass und Gregor Beck am Schlagzeug, einige Male begleitet von Sängerin Gaby Goldberg.

Sein Alter sieht man ihm vielleicht an, aber man hört es nicht. Mit umwerfender Lockerheit bearbeitet er das Klavier, es swingt, es groovt. Kuhn nuschelt Scat-Gesang ins Mikro, improvisiert mitreißend. Das Publikum ist augenblicklich elektrisiert.

Das Urgestein des deutschen Schlagers hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine eigentliche Liebe dem Jazz gilt. Ein witziger und charmanter Entertainer ist Kuhn noch immer. Er stammt aus einer besseren Zeit und Welt, als Leute wie er, Peter Frankenfeld, Rudi Carell und Harald Juhnke die Familien Samstagabend vor der Mattscheibe vereinigten.

Seine Liebe aber gilt dem Jazz, als der noch melodisch war: Cole Porter, Henry Mancini, Duke Ellington. Aber auch eine Be-Bop-Nummer von Charlie Parker hat er im Programm, zackig und wüst. Auch das kann er mit Leichtigkeit. Danach sagt er: Jetzt wollen wir aber mal wieder Musik machen. Und macht’s!

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