Tipp beim Kasseler Jazzfrühling

Jazz-Musiker Jeff Cascaro: "Es geht schon richtig zur Sache"

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Jeff Cascaro. 

Kassel. Jeff Cascaro gehört zu den renommiertesten Sängern des deutschen Jazz. Sein neues Album heißt „Love & Blues in the City“. Am Mittwoch tritt er im Theaterstübchen auf. Ein Gespräch über Schönklang, Haltung und Gema-Abrechnungen.

Sie haben gerade Ihr Album „Love & Blues in the City“ veröffentlicht. Viele Menschen konsumieren Musik digital. Warum bringen Sie eine CD raus?

Jeff Cascaro: Die Leute kaufen auf Konzerten immer noch CDs. Aber irgendwann wird keiner mehr die CD brauchen, was ich sehr schade finde. Es wird immer schwieriger, die Tonträger zu vermarkten und damit Geld zu verdienen. Und was die Plattformen wie Spotify abwerfen, ist ein Skandal. Wenn ich Ihnen die Gema-Abrechnung meiner Songs bei Spotify zeigen würde, würden Sie weinen, so traurig ist das.

Schon vor Ihrem ersten Auftritt in Kassel gibt es viele Vorschusslorbeeren. Ihr Konzert wird als der heiße Tipp für den Jazzfrühling gehandelt.

Cascaro: Das freut mich. Es ist schön, wenn Leute mögen, was ich mache. Das reicht mir als Lob, es ist sehr respektabel.

Welche Erwartungen haben Sie an das Publikum?

Cascaro: Es soll die Musik genießen, sie körperlich wahrnehmen, darauf ehrlich reagieren und mir eine Chance geben. Wenn wir vorm Publikum stehen, merken wir, welche Energie von ihm ausgeht.

Sie werden als der deutsche Gregory Porter bezeichnet. Sehen Sie sich in dieser Rolle?

Cascaro: Ich klinge anders und bin ein eigenständiger Cascaro – Ich stehe seit über 30 Jahren auf der Bühne. In Deutschland wird gerne verglichen, das ist Quatsch. Ich mache, was ich mache und Gregory macht, war er macht.

Aber gemein ist Ihnen schon der Schönklang.

Cascaro: Das stimmt. Aber es klingt anders. Ich orientiere mich an den Besten und entwickle dann meinen Stil.

Wie wichtig ist Ihnen die Melodie im Jazz?

Cascaro: Die Melodie ist der König. Man kann den Leuten die Melodie vorstellen und dann anfangen, sie zu verändern und auch wild improvisieren – sonst macht es keinen Spaß. Dann würde die Musik ja nur dahinplätschern. Es geht schon richtig zur Sache.

Ihr Musikerkollege Peter Maffay hat von Künstlern eine klare Haltung gegen Extremismus gefordert. Sollten Musiker sich deutlicher positionieren?

Cascaro: Das lässt sich leicht sagen für einen Peter Maffay, der extrem viele Leute ansprechen kann. Ich bin sozial sehr engagiert. Ich bin aber kein politischer Künstler, bin kein Konstantin Wecker, das war ich nie. Es gibt Künstler, die aufstehen und den Protest zum Prinzip ihrer Musik machen, was fantastisch ist. Auch wenn ich das nicht so mache, bin ich trotzdem ein politischer und verantwortungsvoller Mensch. Wir sind international operierende Künstler, die mit unterschiedlichen Nationalitäten auf der Bühne stehen – das Prinzip von Gleichheit und Respekt leben wir.

Einen Unterschied gibt es im Jazz deutlich zu hören: Es singen mehr Frauen als Männer.

Cascaro: Das stimmt. Aber für mich gibt es diese Eingrenzung nicht. Es sind alles Menschen die singen.

Sie unterrichten als Professor für Jazz-Gesang an der Hochschule für Musik in Weimar. Stimmt es, das der Jazz ein Nachwuchsproblem hat?

Cascaro: Der Jazz hat kein Nachwuchsproblem. Aber: Es wird nichts für den Nachwuchs getan. Für nationale Künstler wird es immer schwieriger, Foren zu bekommen, wo sie auftreten können. Es gibt nicht so viele Veranstalter und Plattenfirmen in Deutschland, daher spielen immer die gleichen Bands bei Konzerten. Das ist ermüdend, weil die Diversität komplett fehlt – auch für ein großes Publikum. Musiker haben relativ wenig Macht, sich dagegen zu wehren. Sie sollten es aber tunlichst tun, sonst ist der Jazz irgendwann nur noch eine bessere Popmusik.

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