Der Fragebogen

Triosence-Pianist Bernhard Schüler: "Um jemand anderen zu lieben, muss man sich selbst lieben"

+
Tourt mit seiner Band Triosence weltweit: Jazz-Pianist Bernhard Schüler

Die Kasseler Formation Triosence gilt als eine der besten deutschen Jazz-Bands. Im Fragebogen gesteht Gründer und Pianist Bernhard Schüler, dass er eigentlich Lokomotivführer werden wollte.

Für die Fans der Jazz-Band Triosence ist Bernhard Schülers Liebesleben sehr unterhaltsam. Wenn der Kasseler Pianist mit seiner international erfolgreichen Formation auftritt, widmet er praktisch jedes Lied einer anderen verflossenen oder unerwiderten Liebe. Wahrscheinlich kokettiert der 37-Jährige ein bisschen damit, jedenfalls ist er auf der Bühne ein sehr charmanter Erzähler, der trotzdem authentisch und ehrlich wirkt.

Gerade haben Schüler und Triosence ihr sechstes Album "Hidden Beauty" veröffentlicht, auf dem sie erneut ihren atmosphärischen Song-Jazz spielen. Aufgenommen haben sie die CD, die es in den Jazz-Charts des Online-Händlers JPC sofort auf Rang eins schaffte, auf Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen. 

Es geht also weiter hoch hinaus für Schüler, Schlagzeuger Stephan Emig, der ebenfalls aus Kassel kommt, sowie die Bassisten Matthias Nowak und Ingo Senst, die sich mit Omar Rodriguez Calvo abwechseln. Wenn Schüler übrigens gerade nicht mit Triosence unterwegs ist, kann man ihn in Kassels Vorderem Westen treffen, wo er seit Kurzem lebt. Eine Freundin hat er auch wieder. 

Wie sieht der perfekte Sonntagmorgen für Sie aus?
Da ich eine ziemliche Nachteule bin, wäre ein perfekter Sonntagmorgen für mich, früh aus den Federn zu kommen und die ersten Sonnenstrahlen auf der Hollywoodschaukel am Teich meiner Frankenwald-Mühle zu genießen. Am liebsten zusammen mit meiner Freundin und einem Mate-Tee auf argentinische Art.

Welches ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Die letzten Jahre, als ich noch in Köln und später in Bremen gewohnt habe, bin ich bei Besuchen in Kassel, wenn ich Zeit hatte, immer in die Karlsaue gefahren und auf der Insel Siebenbergen spazieren gegangen. Ansonsten liebe ich die Kurhessen-Therme. Für mich ist sie immer noch die schönste Therme Deutschlands.

Was würden Sie als erstes ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Viel mehr in Bildung investieren. Nur eine gebildete und weltoffene Gesellschaft wird die bevorstehenden Aufgaben, die sich durch den aktuellen geopolitischen und digitalen Wandel ergeben, bewältigen können.

Was wollten Sie als Kind werden?
Astronaut oder Lokomotivführer.

Warum hat es nicht geklappt?
Mein Talent lag wohl einfach woanders.

Was ist für Sie die größte Erfindung der Menschheit?
Neben dem Klavier das Internet.

Wenn Sie eine Woche auf Ihr Handy verzichten müssten: Was würden Sie vermissen?
Die Verbundenheit zu meinen Freunden – vor allem denen, denen ich physisch nicht immer nahe sein kann.

Was braucht man zum vollkommenen Glück?
Viel weniger als man denkt. Ich glaube, wir sind hier alle kapitalistisch so sozialisiert, dass wir meinen, wir bräuchten ständig irgendwelche Dinge, die wir noch nicht haben, oder wir suchen das Glück in der Zukunft, anstatt im Hier und Jetzt zu leben. Wirkliches Glück erfährt man erst, wenn man weiß, wer man tief im Innersten ist, wenn man sich frei fühlt und vor allem das im Leben tut, was einem die meiste Freude bereitet.

Vor was haben Sie Angst?
Dass mir irgendwann keine neuen Stücke mehr einfallen. Ansonsten: in irgendeine Form von Abhängigkeit zu geraten.

Welche TV-Serie hat Sie zuletzt süchtig gemacht?
Die Politserie "House Of Cards".

Gibt es Gott wirklich?
Das ist eine sehr persönliche Frage, die letztlich jeder nur für sich selbst beantworten kann und sollte. Es verwundert mich immer wieder, wie sich Menschen über eine Frage, auf die es offensichtlich keine definitive Antwort gibt, so die Köpfe einschlagen konnten und immer noch können. Ich für mich spüre und glaube an eine Absicht, einen Sinn des Universums und – da es keinen anderen Begriff dafür gibt – an Gott.

Woran merkt man, dass man jemanden liebt?
Um jemand anderen wirklich zu lieben, muss man zuerst sich selbst lieben können. Gleichzeitig ist wahre Liebe selbstlos, gütig, mutig und kennt keinerlei Grenzen. Man muss erkennen, dass das herkömmliche Verständnis von Liebe eher ein egoistisches Verlangen ist. Wenn man einen anderen Menschen so akzeptiert, wie er ist, das Gleiche vom anderen spürt, und man sich ohne diesen Menschen nur wie eine unvollständige Hälfte fühlt, dann ist es Liebe.

Was ist Ihre Lieblingstugend?
Offenheit und Disziplin

Welche Eigenschaft bringt Sie auf die Palme?
Ignoranz

Sie nehmen an einer Expedition zum Mars teil: Welche drei Bücher nehmen Sie mit?
"Narziß und Goldmund" von Hermann Hesse, "Eine Neue Erde. Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung" von Eckart Tolle und "Die Entdeckung des Himmels" von Harry Mulisch

Und welche drei Musikalben?
"Beyond The Missouri Sky" von Charlie Haden & Pat Metheny, "Cross Country Tour 1958-1961" vom Ahmad Jamal Trio und "Somewhere Called Home“ von Norma Winstone

Wie möchten Sie gern sterben?
Zufrieden

Falls Sie wiedergeboren werden: Welches Tier wären Sie gern?
Irgendein größerer Vogel

Die neue Triosence-CD "Hidden Beauty" ist gerade bei Sony Music erschienen.

ZUR PERSON: BERNHARD SCHÜLER

Geboren:

Am 19. September 1979 in Kassel, der Lehrersohn wuchs mit drei Schwestern in Lohfelden auf.

Musikalische Anfänge:

Lernte mit sechs Klavier und später Klarinette sowie Saxofon, das er im Landesjugendjazzorchester Hessen spielte

Ausbildung:

Abitur an der Kasseler Jacob-Grimm-Schule, Studium an der Musikhochschule Köln

Privates:

Lebt nach vielen Jahren in Köln und Bremen mittlerweile im Vorderen Westen von Kassel. Seine aus Syrien stammende Freundin wohnt in Göttingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.