Jazz-Poesie: Formation Triosence im Theaterstübchen

Gibt den Rhythmus vor: Stephan Emig. Fotos: Fischer

Kassel. Es gibt viele Gründe, warum ihre Musik erfolgreich ist, doch warum umfangreiche Analysen starten? Was dabei rauskommt, wenn die Formation Triosence Klaviertasten, Bass und Perkussion zum Schwingen bringt, ist ein Hörgenuss.

Es ist eine gehaltvolle Verschmelzung aus Lebensbetrachtungen und spieltechnischer Klasse. Jazz, Pop und Klassik stehen Pate. Am Montag gastierten Bernhard Schüler (Klavier), Matthias Nowak (Bass) und Stephan Emig (Schlagzeug/Perkussion) im Theaterstübchen, um ihre aktuelle CD „One Summer Night“, ein Best-of-Album, zu präsentieren. Die Resonanz? Sogar auf der Bühne mussten noch Stühle aufgestellt werden.

Für die mit zahlreichen Preisen geehrten Musiker war es kein Auftritt wie jeder andere. Ihre Heimat ist Kassel, und so unterstrichen Bernhard Schüler und später auch Stephan Emig, dass „es für uns immer was ganz Besonderes ist, wieder zu Hause aufzutreten“. Emig drehte die Jahre sogar noch etwas weiter zurück: „Matthias Nowak und ich waren beide bis zur zehnten Klasse Schüler in der Engelsburg.“

Nichts von steifem oder ausgeflipptem Jazz hat die Musik. Sie ist vielmehr eine sensible und gekonnte Vernetzung aus Gefühl, Melodie und Struktur. Kreativ und vielseitig und im Grundtenor mit einer Prise lächelnder Melancholie angereichert.

Bei den Anmoderationen zeigte sich Bernhard Schüler als sympathischer Sinnsucher mit Verliererhumor: Das Buch einer Autorin, die über ihre Nahtoderfahrungen schrieb, hat ihn zu einem Stück inspiriert, als Liebeserklärungen an zwei Andreas komponierte er „Waltz for Andrea“ und „No ones Fault“. Schülers augenzwinkernd gereichtes Fazit: „Genützt hat es leider nichts.“

Für das Konzert gilt diese Bilanz jedoch nicht. Alle drei zeigten sich als sensible Tüftler und starke Musiker. Die Abstimmung war perfekt, die Soli großartig, wobei besonders Stephan Emig in die Rolle des Unterhaltes schlüpfte: Bei „Summer Rain“ und „Winter Rain“ trommelte er mit bloßen Händen auf seinen Oberschenkeln und animierte das Publikum zur Nachahmung. Lang anhaltender Beifall, eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.