Los Angeles

„Orchester in der Kehle“: Jazz-Star Al Jarreau gestorben

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Al Jarreau ist tot

Los Angeles - Al Jarreau war als Stimmwunder bekannt und seit seinem Durchbruch in Hamburg vor rund 40 Jahren auf Bühnen in aller Welt zu Hause. Der US-Sänger hatte noch mehr Konzerte geplant, aber Erschöpfung zwang ihn zum Karriereende. Jetzt ist Jarreau mit 76 Jahren gestorben.

London, Tokio, Kapstadt - und für dieses Jahr standen unter anderem Oldenburg, Karlsruhe und Düsseldorf auf dem Programm. Jahrzehntelang war Al Jarreau nicht zu bremsen gewesen, tourte über die Bühnen der Welt, bekam Auszeichnungen und ließ sich von seinen Fans feiern. Doch dann wurde „der Mann mit dem Orchester in der Kehle“ vor kurzem ins Krankenhaus gebracht, die Diagnose Erschöpfung zwang ihn zum Karriereende. Mitte vergangener Woche hatte er das mit großer Trauer auf ärztlichen Rat hin verkündet, am Sonntag ist Jarreau im Alter von 76 Jahren gestorben.

Im Kreis von Familie und Freunden sei er im Krankenhaus in Los Angeles friedlich eingeschlafen, bestätigten mehrere Sprecher und Agenten des Musikers der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten US-Medien darüber berichtet. Eine öffentliche Trauerfeier war zunächst nicht geplant, Familie und Freunde wollten Jarreaus im kleinen, privaten Kreis gedenken. Auch seinen 75. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte Jarreau, der mit Ehefrau Susan in Kalifornien lebte, schon „in aller Stille daheim mit seiner Familie und ein paar Freunden“ verbracht, wie sein Manager Joe Gordon damals sagte.

Jarreau, dessen internationale Karriere einst im legendären Hamburger Szenelokal „Onkel Pö“ begann, hatte sich selbst gern als „Crossover-Legende“ bezeichnet. Mühelos wechselt er zwischen klassischem Jazz und Funk-Rhythmen, zwischen Fusion und Soul - mit Abstechern in Rhythm & Blues und Hitparaden-Pop, was einige Jazz-Puristen immer wieder kritisierten.

In Jarreaus Stimme glaubte man eine Violine zu hören, eine Flöte, oder einen Trommelwirbel. Er war berühmt für seine geschmeidige Stimme und die einzigartigen Tonkaskaden. Fans auf der ganzen Welt feierten den siebenfachen Grammy-Gewinner dafür - „doch mit dem deutschen Publikum fühlt sich Al so eng verbunden wie sonst mit keinem anderen weltweit“, sagte sein Manager einmal.

Jarreau kam als eines von sechs Kindern eines afro-amerikanischen Pastors in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) zur Welt. Schon mit vier Jahren habe er Gershwins Melodien aus „Porgy und Bess“ auswendig gekannt, erinnerte er sich einmal. „Bei uns zu Hause wurde viel gesungen.“ Er studierte Psychologie, verdiente tagsüber als Sozialarbeiter sein Geld und sang abends in den Nachtclubs von Los Angeles, bis er sich entschied, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Songs wie „We're in This Love Together“, „Mornin'“ oder „Moonlighting Theme“ wurden zu Klassikern.

„Ich bin davon überzeugt, dass ich auch heute noch in der Lage bin, Menschen zu helfen, durch meine Musik“, sagte Jarreau einmal. „Wenn Sie so wollen, bin ich heute ein besserer Sozialarbeiter, als ich es je zuvor war“.

dpa

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