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Jazz und Techno unter einem Dach

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Von: Kirsten Ammermüller

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Hoch über Kassel: Florian Bahr und Stefan Küchenmeister auf dem Dach des Friedericianums.
Hoch über Kassel: Florian Bahr und Stefan Küchenmeister auf dem Dach des Friedericianums. © Küche&Bar

Kassel – Jazz ist bekanntermaßen ein Musikgenre, das offen ist für zahlreiche Einflüsse und Verschmelzungen. Aber was ist mit der Verbindung von Techno oder elektronischer Musik und Gitarre? Da ist schon viel Fantasie gefragt. Davon besitzen der Jazz-Gitarrist Florian Bahr und der Techno-DJ Stefan Küchenmeister offensichtlich eine Menge.

Auf jeden Fall waren gemeinsame Jamsessions, bei denen Melodiefragmente von analogen Instrumenten mit druckvollen Basslinien und kurzen Sprachschnipseln in die Loopmaschine geworfen wurden, so effizient, dass beide sich kurzerhand zusammengetan und als „Küche und Bar“ ein ganzes Album produziert haben – frei nach dem Motto „Erlaubt ist, was Spaß macht“.

Ein weiterer Faktor, der den beiden Musikern zugutekam, war die Offenheit von Ruangrupa. Iswanto Hartono und Reza Afisina, die beiden Mitglieder des documenta-Kuratorenkollektivs, waren ebenfalls von der Idee der Musik angetan und unterstützten die beiden Kasseler Musiker bei der Gründung eines eigenen Labels, RuruHauserecords. „Das Album ist entstanden in der elektrisierenden Atmosphäre des Ruruhauses – Ruangrupa haben uns dort den Boden bereitet für Begegnung und Kreativität“, sagt Bahr.

Doch zunächst wurden die beiden kurz nach der Eröffnung in ihrer Euphorie gebremst. Das Album heißt „Das ist keine Kunst“, das dazugehörige Video (Filmemacherin Viktoria Koberstein) entstand damals im leeren Fridericianum. So richtig wohl fühlten sie sich nicht, angesichts der weitreichenden Antisemitismus-Debatte. Doch schließlich ist der Song vor einem Jahr entstanden und nicht als Statement zur documenta zu verstehen.

Es wäre auch schade, das Album nicht als das zu sehen, was es ist: ein abwechslungsreicher Streifzug durch die Geschichte der Clubmusik mit dem Spirit einer spontanen Jamsession. Die Arrangements der Songs sind minimalistisch und eingängig. Auch wenn die Mischung aus elektronischer und analoger Gitarren-Musik neu und unkonventionell ist, klingen die Songs alles andere als fremd.

Es gibt Anklänge an die unterschiedlichsten Genres und Stilistiken: Von der Neuen Deutschen Welle in „Das ist keine Kunst“, über Electro-Punk in dem Song „Stammheim“ – hier zitiert der ehemalige Resident-DJ des legendären Clubs ein Motiv aus seinem eigenen Stammheim-Song „Soda Stream“ – über Folk & Country in „Cafe del Herbert“, Blues mit „Auf die Zwölf“, Jazz in „Pauls Butik“ und Hip-Hop der alten Schule in „Dicke Hose“. Es spricht die große Spielfreude der beiden Musiker aus jeder Note. Und damit sind sie noch lange nicht fertig, „wir haben das nächste Album bereits in Planung“, verrät Küchenmeister.

Küche & Bar: Das ist keine Kunst, RuruHauserecords, Wertung: (((((

Hier geht es zum Video „Das ist keine Kunst“ https://www.youtube.com/watch?v=4BR6ISQs1gQ

Von Kirsten Ammermüller

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