Jazzer Brad Mehldau: Weltklasse-Auftritt im Kulturzelt

So sieht das Genie also aus: Der US-Pianist Brad Mehldau hatte das Fotografieren im Kulturzelt verboten. Archivfoto: dpa

Kassel. John Scofield, Brad Mehldau und Mark Guiliana: Gleich drei Jazz-Ausnahmekönner gaben sich im Kasseler Kulturzelt die Ehre. Die Fans wurden nicht enttäuscht.

Es ist schon denkwürdig, wenn ein amerikanisches Supertrio auf Tour durch Europa im Kulturzelt Kassel sein einziges Deutschland-Konzert gibt. Am Samstag gastierten dort John Scofield, Brad Mehldau und Mark Guiliana, die zuvor an so erlauchten Spielstätten wie der Wiener Staatsoper aufgetreten waren.

Mit Mehldau und Scofield waren gleich zwei der bedeutendsten Jazzmusiker der Gegenwart zu erleben. Es wurde dann auch ein Abend der Extraklasse. Heiß und cool gleichzeitig - mit viel Groove, elektronischen Klängen und imponierend langen Soli voll unerschöpflicher Virtuosität.

Striktes Fotografierverbot herrschte im voll besetzten Kulturzelt. Dabei hatte das Konzert auch seine optischen Reize. So war ein E-Bass auf einer Stange aufgestellt, denn Gitarren-Gigant John Scofield zeigte nicht nur seine einzigartige, gleichsam vokale Phrasierungskunst. Er übernahm manchmal auch das Bassfundament, dabei die Gitarre lässig herabhängend lassend.

Brad Mehldau demonstrierte am Flügel, am Fender-Rhodes-Piano und an Synthesizern eine schier unglaubliche Unabhängigkeit der beiden Hände, spielte etwa mit der rechten Hand eine sphärische Klangfläche und mit der linken die Melodie auf dem Flügel. Vom Tastengenie kamen auch knackige Synthie-Bässe sowie eine Zwischenansage in höflichstem Deutsch: „Wir finden es sehr gemütlich hier.“

Mit seiner treibend-pulsierenden Präzision beeindruckte schließlich Schlagzeuger Mark Guiliana, der mit Mehldau das Elektronik-Duo Mehliana bildet und auch auf David Bowies letztem Album „Blackstar“ zu hören ist. An Kompositionen gab es etwa das funky-melodiöse Scofield-Stück „Pop Ho“ und Mehldaus von einer unruhigen Klavierfigur angetriebene „The Scoville Scale”. Riesenbeifall und zwei Zugaben beschlossen den etwas mehr als zweistündigen Auftritt des Supertrios.

Von Georg Pepl

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