Erfolgreicher Posaunist spielte mit seiner Band Funk Unit

Jazzer Nils Landgren eröffnete das Kasseler Kulturzelt

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Statthalter des Jazz-Funks in Europa: Posaunist Nils Landgren mit seiner Funk Unit.

Posaunist Nils Landgren gilt als Statthalter des Jazz-Funks in Europa. Nun eröffnete der Schwede die 30. Saison im Kasseler Kulturzelt und ließ die Besucher eifrig im Takt wippen.

Kassel. Das Kasseler Kulturzelt, einst erfunden, um im Beiprogramm der documenta neue Akzente zu setzen, hat mit rund 1000 Konzerten zweifellos Erfolgsgeschichte geschrieben. Als Stadtkämmerer Christian Geselle jedoch am Freitag die 30. Saison eröffnete und blumig das „mediterrane Ambiente“ an der Drahtbrücke beschwor, wogte denn doch eine Woge der Heiterkeit durch den proppenvollen Spielort.

Während draußen urdeutsch Bratwurst und Bier gereicht wurden, ging es drinnen keineswegs südländisch zu. Ganz im Gegenteil, der Kompasszeiger wies strikt nach Norden: Denn mit Funk Unit, der Band des Schweden Nils Landgren, war urbanes Powerplay zwischen Rock, Funk und Soul angesagt.

In seinen ersten 40 Jahren war Jazz immer Tanzmusik: Charleston, Foxtrott und dann die große Zeit der Swing-Orchester. Mit der Revolution des Bebop wurde Jazz etwas Ernstes und forderte Konzentration ein. Der Funk gab dem Jazz etwas von seiner früheren Lockerheit zurück.

Landgren, mit seiner roten Posaune der Statthalter des Jazz-Funks in Europa, ist einer der erfolgreichsten und umtriebigsten Jazzer überhaupt und war schon mehrfach zu Gast in Kassel. Der 60-Jährige lässt sich in keine Schublade stecken: Ob Weihnachtslieder, Abba-Vertonungen oder Bernstein-Interpretationen, Big-Band- oder Combo-Jazz - nichts ist ihm zu klein oder zu groß, zu banal oder zu anspruchsvoll.

Mit Magnum Coltrane Price (E-Bass) Robert Ikiz (Drums) Jonas Wall (Saxofon), Andy Pfeiler (E-Gitarre) und Petter Bergander (Keyboard) ist er mit einer perfekt aufeinander eingespielten Truppe angereist. Funk Unit steht für solide Grooves im Up-Tempo. Es geht durchgehend zur Sache mit energischem Schlagzeug, druckvollen Bläsersätzen, Soul-Gesang und ausgedehnten Soli auf Posaune, E-Piano, Gitarre und Saxofon.

Man hat auf Bestuhlung verzichtet, die Leute wippen eifrig im Takt. Die relaxte Interpretation von Gloria Gaynors Tanz-Kracher „I Will Survive“ von 1978 machte noch mal deutlich, dass Funk und Disco enge Schwestern sind.

Aber erst gegen Konzertende steigt (wie so oft) die Stimmung wirklich, man wird ausgelassener und klatscht. Gesungen werden darf unter Anleitung des Meisters ebenfalls. Großer Spaß für die meisten, langer Applaus, zwei Zugaben für alle.

Kulturzelt am Dienstag, 19.30 Uhr: Glen Hansard. Restkarten an der Abendkasse.

Von Andreas Gebhardt

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