Jazzgenuss und Weihnachtsquiz: Pianist Udo Krüger und Freunde im Theaterstübchen

Alle Jahre wieder: Udo Krüger (Klavier), Till Spohr (Kontrabass) und Joob Verweijen (Schlagzeug) interpretierten im Theaterstübchen alte Weihnachtslieder neu. Fotos: Schachtschneider

Kassel. So schön die guten alten, deutschen Weihnachtslieder auch sind, sie nur in traditioneller Notation erklingen zu lassen, ist für viele Musiker keine reizvolle Angelegenheit. Man könnte doch ein wenig feilen, anders arrangieren, mit dem Grundthema spielen und die Klassiker damit einer jazzigen Verwandlung unterziehen, in der die Melodie des Originals erst ausfindig gemacht werden muss.

Der Kasseler Pianist Udo Krüger, der Bassist Till Spohr und der holländische Schlagzeuger Joob Verweijen haben am Dienstag im bestens gefüllten Theaterstübchen genau diese Variante zum Klingen gebracht. Das Ergebnis begeisterte die Besucher: Deutsche Weihnachtslieder, versteckt im amerikanischen Jazzsound. Oft waren „Stille Nacht“ und Co. nur aufgrund der von Krüger vorweg platzierten Kommentare zu erahnen: „Im nächsten Stück geht es um etwas, das wir diese Weihnachten wohl nicht haben.“ Es folgte „Leise rieselt der Schnee“, dann „White Christmas“.

Ein anderes Mal hieß es: „Es geht um einen Mann, der übermorgen kommt.“ Die Lösung: „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, gefolgt von „Kommet, ihr Hirten“ als Blues. Das Publikum genoss die Musik, wie auch die Quizstimmung: „Ist das nicht ...?“, hörte man Besucher beständig flüstern. Auch Krügers Rückblick auf seine Kindheit verhalf dabei, einen Klassiker zu entschlüsseln: „Ich habe mich als Junge immer gefragt, was denn ein Ros’ ist.“ Ebenfalls dabei: „Maria durch den Dornwald ging“, „O du fröhliche“ (das bei Krüger zu „Udo Fröhlich“ wurde) und viele andere Weihnachtsohrwürmer, die zumeist erst enttarnt werden mussten.

Das mag man mögen oder kritisieren – rein musikalisch gesehen, waren die Stücke Leckerbissen. Die Musiker agierten enorm feinfühlig. Die Arrangements waren pfiffig, elegant, anspruchsvoll gestrickt, aber perlend leicht und mit viel Wärme in den Raum geschickt. Viel Beifall, und als Zugabe ein jazziges „Alle Jahre wieder“.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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