Konzert am Montagabend

Jazz und Glamour im Theaterstübchen 

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Eleganz und Leichtigkeit: Die schwedische Sängerin Jessica Pilnäs eroberte mit ihrer Stimme das Publikum im Theaterstübchen. Im Hintergrund Bassist Fredrik Jonsson.

Kassel. Ganz großes Kino gab es am Montagabend im Theaterstübchen zu bestaunen. Beim Konzert der Jazzsängerin Jessica Pilnäs und ihrem Trio wehte ein Hauch von Glamour durch die exotische Katakombe.

Mit Hochsteckfrisur, Etuikleid und Galaschmuck präsentierte die attraktive Schwedin ein „A Tribute to Peggy-Lee“-Programm, dass sich sowohl musikalisch als auch visuell im Gedächtnis der fünfzig Gäste verewigte.

Trotz oder wegen der optischen Opulenz - mit den Interpretationen von „Fever“, „There will be another Spring“ und „Smile“ erreichte man eine emotionale Dimension, die sich einer rein analytischen Begegnungshaltung des Publikums völlig entzog. Es war die weiße, intellektuelle Avantgarde in den Metropolen der USA, die sich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf den Jazz stürzte.

Sängerinnen wie Lee Wiley, Kay Starr, Martha Tilton und eben Peggy Lee kombinierten Swing mit modischer Eleganz und eroberten sich damit einen festen Platz auf den Laufstegen der nächtlichen Extravaganzen. Jessica Pilnäs zauberte diese Atmosphäre auf die Bühne, und man konnte spüren, wie sich das damalige Lebensgefühl zwischen Reflektion und Partyrausch artikulierte.

Warmes Timbre

Facettenreich brachte sie ihr warmes Timbre zur Geltung. Souverän und federleicht wechselte sie die Stimmungen und injizierte all ihren musikalischen Geschichten einen Hauch von Sex-Appeal. Romantik und Coolness dominierten das Geschehen, aber sie scheute sich auch nicht vor Ernsthaftigkeit.

Getragen wurde sie von einer brillanten Band, die mit Anzug und Fliege das Gesamtkunstwerk komplettierten. Karl Olanderssons Trompetenspiel war an Lässigkeit nicht zu überbieten, und Bassist Fredrik Jonsson agierte so verlässlich wie ein Uhrwerk. Dass Pianist Mattias Stahl eigentlich als Vibrafonist unterwegs ist und nur an diesem Abend das Instrument wechselte, konnte man kaum glauben. Zwei Zugaben und großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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