Aus der Jeans in den Anzug: Joo Kraus spielte originelle Songs von

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Jazz-Trompeter Joo Kraus.

Kassel. Wieder so ein Projekt, an dem sich die Geister scheiden. Trompeter Joo Kraus hat mit dem Tales in Ton Trio eine Art Michael-Jackson-Tribute-CD eingespielt. Seine „Songs From Neverland“ präsentierte er am Donnerstagabend im leider nur mäßig besuchten Kulturzentrum Schlachthof.

Für Jazzpuristen zu anbiedernd, für Popzyklopen einfach indiskutabel, und die Kritiker teilen sich in die bekannten Lager Kommerz gegen Kunst. Abseits jedweder ideologischen Betrachtung bereitete das Konzert einfach nur gute Laune. Da gab es gleich mehrere Parameter, die dem Projekt, das Jackson-Erbe aus der Jeans in den Anzug zu stecken, zum Erfolg verhalfen.

Zum einen unterlässt Kraus die krampfhaften Bemühungen, zwischen Interpretation und Original tonnenweise intellektuell aufbereitete Füllmasse abzuladen. Berührungsängste mit Klischees werden mit Spaß an eleganter Soundgestaltung, coolen Beats und glatter Perfektion einfach wegtherapiert. Dafür hat er sich mit Ralf Schmid einen Pianisten ins Boot geholt, der zwischen vertrauter Eingängigkeit und kreativem Auslauf alles eloquent bedient.

Zum anderen katapultiert man gekonnt die Arrangements von „Beat It“ oder „The Way To Make Me Feel“ in die balladeske Moderne oder erzeugt mit der innovativen, von kraftvoller Statik geprägten Spielweise des Schlagzeugers Torsten Krill eine ungemein spannende Aura. So bleiben Songs wie „Man In The Mirror“ oder „Thriller“ einfach stehen, rasen nicht an einem vorbei, drehen sich nicht blitzschnell aus der Beobachtung hinaus.

Auch Bassist Veit Hübner ist mit dieser Aufgabe betraut, und so können Kraus und Schmid auf der Basis dieses perfekt inszenierten Friedensabkommens ihre kreative Sozialisation voll ausleben. Für brillanten New-Orleans-Funk, Blues und Bossa nova gab es frenetischen Applaus.

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