Jede Nummer eine Kostbarkeit:

Ein Großer am Klavier: Paul Kuhn beim Konzert in Kassel. Im Hintergrund der Bassist Paul G. Ulrich. Foto: Zgoll

Kassel. Paul Kuhn geht es wieder besser, er kann spielen und sein im April abgesagtes Kasseler Konzert nachholen: Auf diese Nachricht hin war das Kasseler Theaterstübchen im Nu ausverkauft, und tatsächlich wurde es für den Club von Markus Knierim ein Saisonauftakt, der den Zuhörern lange im Gedächtnis bleiben wird.

Doch Paul Kuhn, der im März 85 wurde, geht es gesundheitlich (man muss es erwähnen) nicht wirklich gut. Er muss sich auf die Bühne helfen lassen, und er kann auch nicht den ganzen Abend spielen. Das ist nicht schlimm. Man fängt ohne ihn an, und Kuhns fantastische Mitmusiker, der Gitarrist Paul Shigihara, der Bassist Paul G. Ulrich und der Schlagzeuger Willy Ketzer, faszinieren auch allein als Trio. Als dann noch Gast-Sängerin Gaby Goldberg mit Bart Howards Song „Fly me to the moon“ einsteigt, scheint nichts mehr zu fehlen.

Dieser Eindruck ändert sich aber sofort, als Paul Kuhn die Bühne betritt und am Flügel einen Blues-Titel anschlägt. Auf einmal scheint es, als ob ein Magnet die Musikerkollegen neu ausrichten würde - auf den Mann am Klavier. Wenn Kuhn spielt, ist nichts von Einschränkungen zu spüren - als Musiker ist der große Jazzer vor allem eines: unglaublich souverän. Welche tollen harmonischen Verbindungen hat er drauf! Seine linke Hand agiert so selbstständig wie ein zweiter Spieler, sein Timing ist sensationell. Und als er dann mit leicht heiserer Stimme den Gershwin-Song „Lady, be good“ singt, erfüllen Ehrfurcht und Begeisterung das Theaterstübchen.

Es sind nicht viele Titel, die Paul Kuhn an diesem Abend spielt, aber jeder einzelne ist kostbar. Etwa der Irving-Berlin-Song „It’s a lovely day“, den er im Duett mit Gaby Goldberg singt. Hoagy Carmichaels alter Hit „Stardust“ kommt nach einem kleinen Missverständnis mit der Sängerin über die richtige Tonart dann besonders intensiv herüber.

Mit einer gleichermaßen temperamentvollen wie lässigen Duett-Version von Bobby Troups Blues-Klassiker „Route 66“ geht der Abend nach zwei kurzweiligen Stunden zu Ende. Paul Kuhn winkt ins Publikum, wünscht allen alles Gute und verlässt mit Gaby Goldberg die Bühne. Zugaben wären dem alten Herrn nicht zuzumuten. Das Publikum bleibt dankbar zurück.

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