Mark Divo verwandelt das Fridericianum - Mitmachen erwünscht

Jedem ein Museum

Erstmal ausräumen: Mark Divo steht auf einem Container voller Spanplatten am Kasseler Fridericianum. Foto:  Fraschke

Kassel. „Nonsens ist Konsens“, verkündet Mark Divo und freut sich, dass der Lieferwagen weitere Trödel-Möbel in die Kunsthalle Fridericianum bringt. Divo baut dort ins Erdgeschoss eine „bewohnbare Skulptur“.

Am Mittwochabend wird sein „D.I.V.O. Institute“ mit einem Konzert eröffnet. Der gebürtige Zürcher, der in Göttingen Sozialwissenschaften studiert hat, lebte in Kairo, Zürich und New York. Danach stellte er fest: „Ich war abgelöscht vom Westen.“ Und zog nach Tschechien, wo er heute mit Frau und dreijähriger Tochter ein Künstlerhaus in Kolin nahe Prag betreibt. Den Grundriss seiner Villa baut er nun in Kassel nach.

Und der 44-Jährige bringt einen ganzen Clan seiner Künstlerfreunde mit, der dort zwei Wochen lang Programm machen wird. Da wird es eine tanzende französische Bulldogge geben, Musik von Klassik bis Punk, in Stickrahmen werden feinsäuberlich Graffiti-Schriftzüge gestickt, Paninibilder werden getauscht, man kann an einer Oper mitwirken und es gibt einen Talentwettbewerb mit Castingshow.

Angesprochen sind alle, Kinder bis Senioren, willkommen sind auch eigene Kunst- oder Performance-Aktionen. Genügend freie Wände stehen zur Verfügung. „Ich drehe Joseph Beuys’ Motto weiter“, sagt Divo. „Nicht nur ist jeder ein Künstler. Ich sage: Jeder sollte ein Museum haben.“

Wer ins Institut kommt, kann mit Mark Divo Tee trinken, verspricht er. Vielleicht fachsimpelt man über seine Schwämmchenbilder, für die Divo mit Spül-Glitzis Werke der Kunstgeschichte nachempfunden hat.

Mark Divo sieht sich in der Tradition des Dada. Die revolutionäre Kunstbewegung hat unter anderem in Zürich 1916 ihren Ausgang genommen. „Ich finde interessant, dass mit Dada zum ersten Mal Künstler ihrem Sil selbst einen Namen gegeben haben.“

Das Cabaret Voltaire, legendärer Versammlungsort der Ur-Dadaisten, hat Divo vor einigen Jahren mit einer spektakulären Kunstaktion besetzt und so wiederbelebt. Weil die Besetzer so schick angezogen waren, einen Barbetrieb eröffneten und den Polizisten sofort Getränke anboten, blieb die Aktion über mehrere Stunden unentdeckt, erzählt er.

Derartige Kunst-Piraterie sei wichtig, um für die Kultur Räume zurückzuerobern. Eine von Mark Divos spektakulärsten Aktionen war die kulturelle Verwandlung einer Zürcher Unterführung in einem gigantischen, 24-Stunden-Performanceprojekt. In dieser Zeit hat er dort auch den Kasseler Kunsthallenleiter Rein Wolfs kennengelernt. Jetzt freut er sich auf das Fridericianum und sagt: „Wir gehen da rein und schauen einfach, was passiert.“

Von Bettina Fraschke

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