Drew Barrymore im Interview über Filmdrehs mit ihrem Freund, Regieführen und ihre Tageszeitung

„Jeder macht harte Zeiten durch“

In der romantischen Komödie „Verrückt nach Dir“, die diese Woche in den Kinos anläuft, ist die Schauspielerin Drew Barrymore an der Seite von Justin Long zu erleben, den sie 2007 tatsächlich kennen und lieben lernte.

Hollywood besetzt nur selten ein echtes Paar als Leinwandduo. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Drew Barrymore: Das Leben ist ein Abenteuer, man sollte alles ausprobieren. Zwischen Justin und mir stimmt die Chemie, das verleiht der Geschichte Ehrlichkeit. Wir mussten uns auch im wahren Leben mit den Gefühlen unserer Figuren auseinandersetzen. Tatsächlich bringt Justin mich immer zum Lachen.

Sie haben geäußert, dass Sie in Ihren Zwanzigern einen märchenhaft verklärten Blick auf die Liebe hatten, während Sie heute realistischer seien. Können Sie das erläutern?

Barrymore: Ich bin zur Erkenntnis gelangt, dass ich über die Liebe gar nichts weiß. Was sehr befreiend ist. In deinen Zwanzigern bist du sehr idealistisch und meinst, alles zu wissen. In deinen Dreißigern holt dich die Realität ein. Deshalb bin ich glücklich, wenn ich zu Protokoll geben kann, dass ich die Antwort nicht kenne. Ich weiß nicht, was es bedeutet, ich weiß nicht, worum es geht, und ich weiß nicht, was passieren kann. Niemand kann in die Zukunft blicken. Man kann das Vergangene feiern und daraus lernen. Aber alles, was uns wirklich bleibt, ist die Gegenwart.

Bei einem Film wie diesem gehen Sie das Risiko ein, ständig auf Ihr Privatleben angesprochen zu werden. Warum vermeiden Sie das nicht?

Barrymore: Ich erforsche gern Liebesgeschichten, und ich erforsche gern Komödien. Wenn beides zusammenkommt, ist das eine gute Vorlage für einen Film. Ich werde nicht aufhören, diese Filme zu machen, nur damit mein eigenes Liebesleben nicht unter die Lupe genommen wird wie die Physiologie eines Aliens. Ich bin sehr zurückhaltend geworden, wenn ich über mein Privatleben Auskunft geben soll. Früher wollte ich mich erklären. Heute antworte ich nicht mehr. Seitdem fühle ich mich besser, weniger verwundbar.

Wäre ein Leben ohne den Film für Sie denkbar?

Barrymore: Zumindest im Moment bin ich sehr engagiert. Aber je älter ich werde, umso mehr reift in mir die Erkenntnis, dass es nicht immer gleich um Leben und Tod geht. Man muss sich nicht ständig selbst stressen und denken, wenn das jetzt nicht funktioniert, ist alles vorbei. Ich bin dankbar für das, was ich habe, weil ich weiß, dass alles binnen einer Sekunde fort sein kann. Ich bin erwachsen genug, um zu wissen, dass es immer etwas gibt, das zu tun bleibt: Menschen, die man lieben, Orte, die man aufsuchen wird, viele Leben, die es noch zu leben gilt. Meine Arbeit hat heute einen anderen, weniger auf Angst basierenden Antrieb.

In Ihrer Autobiografie „Little Girl Lost“ (1990) haben Sie Ihre Süchte thematisiert.

Barrymore: Jeder Mensch macht harte Zeiten durch, aber es wird nicht in jedem Fall publik. Die meisten Menschen genießen den ungeheuren Luxus, dass ihr privates Leben privat bleibt. Für mich waren diese Erfahrungen auch befreiend. Ich musste später nie heucheln, perfekt zu sein.

Weshalb haben Sie die Regielaufbahn eingeschlagen?

Barrymore: Ehrlich gesagt, habe ich mein ganzes Leben lang darauf hingearbeitet. Alles, was ich bis dahin getan habe, war eine Vorbereitung dafür. Ich bin seit mehr als zehn Jahren Produzentin, ich habe mit den verschiedensten Filmemachern zusammengearbeitet und alles über den Film gelernt. Ich habe eine große Leidenschaft für jedes Detail entwickelt, das Einfluss auf einen Film hat.

Sehen Sie sich in der Zukunft häufiger hinter der Kamera?

Barrymore: Ja, natürlich, es war kein Unfall. Es gibt viele Schauspieler, die es einmal probieren und spüren, dass es nicht das Richtige für sie ist. Für mich ist es eine natürliche Entwicklung.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Barrymore: Ich würde sehr gern einen Gang zurückschalten. Meine Freunde bedeuten mir alles, ich hätte gern mehr Zeit für sie. Und es ist mein geheimer Traum, Reiseschriftstellerin zu sein. Ich möchte viele Leben führen. Andererseits ermöglicht mir die Arbeit beim Film, diese unterschiedlichen Leben zu leben. Ich werde den Rest des Jahres in Alaska verbringen und für meinen nächsten Film alles über Ökologie lernen, über Wale und über Stämme, die dort leben. Dieser Job ist ein echter Luxus, man kann seine Träume ausleben.

Im Film kämpfen Sie als Journalistin um eine Stelle bei einer Zeitung. Warum ist dieses Medium am Scheideweg?

Barrymore: Ich liebe die Kunst der Reportage. Es besorgt mich, dass jeder von seinem Wohnzimmer aus bloggen kann, im Zweifelsfall ohne vor Ort gewesen zu sein. Ich mag den althergebrachten Journalismus, und ich liebe meine Zeitung - vielleicht eine eher romantische Einstellung.

Von André Wesche

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