„Was man vom Leben will“

Jeff Bridges im Interview über den Film „Tron: Legacy“, wo er alt und jung auftritt

Kult-Darsteller Jeff Bridges („The big Lebowski“) schlüpft noch einmal in die Rolle des Computerspieldesigners Flynn, der sich bereits 1982 in Stephen Lisbergs „Tron“ in virtuellen Welten verirrt hat.

Zweimal Jeff Bridges in einem Film: hier als Bösewicht Clu. Die beiden treffen inmitten eines Computerspiels aufeinander.

In Joseph Kosinskis 3D-Fortsetzung „Tron: Legacy“, die diese Woche in die Kinos kommt, muss er sich gegen den jüngeren Widergänger seiner selbst zur Wehr setzen. Mit digitaler Technik ist es gelungen, einen verjüngten Bridges im Film auftreten zu lassen. Dazu wurde Bridges’ Gesicht quasi eingescannt und dann bearbeitet.

Mr. Bridges, Sie haben gesagt, dass Sie gar nicht gern arbeiten. In den letzten zwei Jahren haben Sie sieben Filme gedreht. Wie kam das?

Jeff Bridges: Ich habe eine Hass-Liebe-Beziehung zu meiner Arbeit. Wenn mir ein neues Projekt angeboten wird, versuche ich, die Entscheidung so lange wie möglich hinauszuzögern, weil ich Angst habe, dass in dem Moment, in dem ich mich für einen Film entschieden habe, ein anderes Projekt kommt, das mich mehr interessieren könnte.

Sie haben bereits 1982 in dem ersten „Tron“-Film mitgespielt. Dass sich Menschen in der Welt eines Computerspiels verlieren - das war damals noch Zukunftsmusik.

Bridges: Ja, als wir den ersten Film gemacht haben, gab es noch kein Internet, und die Mobiltelefone haben wir in einem Koffer mit uns herumgetragen.

Warum haben Sie hier wieder mitgemacht?

Zweimal Jeff Bridges in einem Film: hier als Computerspiel-Erfinder Flynn. Die beiden treffen inmitten eines Computerspiels aufeinander.

Bridges: Ich dachte, wir könnten einen modernen Mythos gebrauchen, der sich damit beschäftigt, wie wir uns durch diesen Dschungel der Technologie hindurchkämpfen. Die Technologie schreitet ja so schnell voran, dass die Ethik nicht mehr hinterherkommt.

Sie spielen den Spiel-Designer Kevin Flynn, der in der künstlichen Welt gefangen ist, andererseits dessen jüngeren digitalen Widergänger Clu, der die Herrschaft an sich gerissen hat. Was hat Sie an dieser Jekyll-&-Hyde-Rolle gereizt?

Bridges: Ich glaube, dass viele Probleme, die wir in unserem eigenen Leben haben, damit zusammenhängen, dass wir Aspekte unserer Persönlichkeit wie einen Feind behandeln. Wir weigern uns, diese Bösewicht-Aspekte als Teil unserer Persönlichkeit in uns aufzunehmen. Die Schlüsselszene ist für mich, wenn sich Flynn und der Bösewicht gegenseitig einverleiben.

In „Tron: Legacy“ geht es aber auch um die Sehnsucht nach einer perfekten Welt.

Bridges: Flynn versucht, in der Spielebene die totale Perfektion herzustellen. Wir können heute schnell zu Gefangenen unserer eigenen Ambitionen werden. Gerade in dieser hochtechnisierten Zeit, wo alle Möglichkeiten nur einen Mausklick entfernt sind, muss man genau darüber nachdenken, was man vom Leben will. Ich habe den Wert des Nicht-Perfekten schätzen gelernt.

Wie hat es sich angefühlt, nach einem Hightech-Dreh mit den Brüdern Coen den Western „True Grit“ zu machen?

Bridges: Diese Jungs sind Meister ihres Faches. Es ist wunderbar, mit dem Schöpfer einer Geschichte zusammenarbeiten zu können. Joseph Kosinski kommt aus der Architektur und bringt all seine Design-Ideen in „Tron: Legacy“ ein.

Von Martin Schwickert

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