Joan Wasser alias Joan As Police Woman war mit eigenwilligem Soul im Kulturzelt zu Gast

Jenseits des Hauptstroms

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Schräge Klänge mit dem Zweitmikrofon: Joan Wasser beim Auftritt im Kasseler Kulturzelt.

Kassel. Eine coole Idee, die Sache mit den beiden Mikrofonen: Nicht nur ein einziger Schallwandler steht Joan Wasser im Kasseler Kulturzelt zur Verfügung.

Manchmal wechselt sie zum wilden Ausklang eines Liedes an ein zweites Mikrofon, das ihre Stimme verzerrt. Die klingt dann sozusagen schräger, als die Polizei erlaubt.

Etwas Eigenes jenseits des Mainstreams hat die 40-jährige Amerikanerin, die mit weißem Overall, schwarzem Gürtel und Silberschuhen auch optisch eine interessante Erscheinung abgibt. Songwritersoul wird ihre Musik genannt, sie selbst soll den Mix aus Soul und Indie-Rock einmal als „Punk Rock R&B“ bezeichnet haben.

Einen dichten Klang webt die singende, Keyboard und Gitarre spielende Musikerin mit Rob Gentry (Keyboards) und Parker Kindred (Schlagzeug), die außerdem als Begleitsänger zu hören sind. Mit dem kleinen Moog-Synthesizer spielt der exzellente Gentry den Bass, dazu gibt es orgelnde, flötende, geradezu psychedelische Klanggespinste.

Mittlere bis langsame Tempi herrschen in den 90 Minuten im überschaubar gefüllten Kulturzelt vor. Ohne Anbiederung geht es emotional zu.

Etwas „dirty“, was ja anregend ist, klingt Wassers Stimme, wenn auch beim Hit „The Magic“ die Höhen weniger geschmeidig kommen, als vom aktuellen Album „The Deep Field“ bekannt.

Zwischen Eingängigkeit und Widerhaken bewegen sich Wassers Songwriter-Kunst und Arrangements. Zum Beispiel im düster-monotonen Titel „Flash“, der im Refrain dissonante Akkordflächen auffährt. Das Publikum nimmt die Kreationen mit eingeweihten Hui-Rufen auf und bekommt zuletzt zwei Solo-Zugaben der Künstlerin. Vor dem eigenen Stück „Human Condition“ schickt sie mit David Bowies „Sweet Thing“ einen Gruß an die progressiven 70er-Jahre.

Apropos 70er: Einen Bezug dazu hat auch der Name Joan As Police Woman für Wassers Bandprojekt. Bekannte wiesen sie einst auf ihre Ähnlichkeit zur Schauspielerin Angie Dickinson hin, die in der Serie „Police Woman“ - damals eine Neuheit - eine Polizeiagentin dargestellt hatte.

Das nächste Konzert im Kulturzelt bestreitet am Mittwoch, 19.30 Uhr, Ravi Coltrane. Karten: 0561-203204.

Von Georg Pepl

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