Jesper Munk begeisterte im Kulturzelt

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Kam wie aus dem Nichts: Das deutsch-dänische Blues-Wunder Jesper Munk gastierte an der Drahtbrücke.

Kassel. Er ist schon ein ganz Großer: Der erst 24-jährige Bluesmusiker Jesper Munk trat mit fantastischer Band im Kulturzelt auf.

Kassel. Er kann es sicher nicht mehr hören, wenn ständig über sein Alter gesprochen wird. Doch es ist nun mal auch am Freitagabend das Erste, was einem ins Auge sticht, beobachtet man Jesper Munk auf der Bühne des Kasseler Kulturzeltes.

Zarte 24 Jahre ist er jung, und das sieht man ihm auch deutlich an, wenn er etwas unbeholfen ins gedimmte Scheinwerferlicht tapert, lässig die viel zu weite Jeans noch mal hoch zieht und die schwarze Nickelbrille zurecht rückt. Der coole Blondschopf braucht eine Weile, um sich zwischen Verstärkern, E-Piano und Mikrofonen zurechtzufinden, ist dafür umso schneller in seinem Element, als die Gitarre eingestöpselt ist und er mit seinen beiden fantastischen Musikern Clemens Graf Finck von Finckenstein (Schlagzeug) und Sasseh Söllner (Bass) eintaucht in die Welt des Blues, die er mit Veröffentlichung seines Erstlingswerks „For In My Way It Lies“ (2013) wie aus dem Nichts für eine neue Generation auch in Deutschland wieder populär gemacht hat.

Munk muss nur ein paar Silben singen, um gefühlt zehn oder gar 20 Jahre zu altern. Kraftvoll und rau röhrt er die Titel seines von der Kritik hochgelobten Albums „Claim“ ins Mikrofon, prostet den schnell verzauberten Zuhörern immer wieder mit Hochprozentigem zu und freut sich, dass so viele gekommen sind, und noch mehr, dass sie bleiben. Warum sollten sie auch nicht, dürfen die Kasseler doch schließlich ein wahres Ausnahmetalent erleben, das sich mit der Attitüde eines Jonny Lang - jenes US-amerikanischen Blues-Wunderkindes, das einst noch jünger als Munk mit „Lie to Me“ einen Welthit gelandet hatte - in die Herzen seines Publikums singt und spielt.

Ganz unprätentiös im Auftreten, rückt Munk während seiner anderthalbstündigen Show die Musik in den Mittelpunkt, lange Zeit melancholisch-entspannt, um erst im letzten Drittel mit jaulenden Gitarren und kernigem Rock aufzutreten. Dafür bedient sich der Deutsch-Däne mit „Death Don’t Have No Mercy“ bei einem seiner Vorbilder - Reverend Gary Davis - und legt mit „Blue Shadows“ direkt noch ein Bluesbrett aus eigener Feder oben drauf. Spätestens da denkt niemand mehr darüber nach, wie alt oder jung Jesper Munk sein mag, denn eines ist ganz sicher: Er ist schon jetzt ein ganz Großer.

Die nächsten Konzerte im Kulturzelt: Mittwoch und Donnerstag, 19.30 Uhr, Joris. www.kulturzelt-kassel.de

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